Stadt Herrenberg - Tag des Bürgerengagements

Austausch zwischen Engagierten, Kistentrommeln, Demokratiesäule, Islam-Quiz und Solar-Lampen - Ein Bericht aus der Stadt Herrenberg

Bundesweit haben Vereine und Gruppen die Woche des bürgerschaftlichen Engagements 2016 gefeiert. Auch in Herrenberg stand ein Tag im Zeichen des Fests: Die Koordinierungsstelle für Bürgerengagement der Stadtverwaltung Herrenberg hat Engagierte eingeladen, sich untereinander zu vernetzen. Im offenen Bürgerhaus Klosterhof stellten sich verschiedene Bürgerinitiativen und Vereine vor. Sie luden zum Mitmachen ein und nutzten die Chance, die Angebote der anderen Engagierten besser kennenzulernen. Damit wandten sie sich auch besonders an Flüchtlinge.

Im Foyer begrüßen Wortwolken mit Begriffen wie „Toleranz“ und „Vielfalt“ und eine neu angeschaffte „Demokratiesäule“ die Besucher.  Die Koordinatorin für Bürgerengagement erklärt: „Die Engagierten schreiben auf, was Demokratie für sie bedeutet. Da kommen ganz facettenreiche Antworten zusammen.“ Das Team Bürgerengagement und der Fotoclub Objektiv machten sogleich ein Foto der Engagierten, während diese ihre Antwort hochhielten. Die Fotos wurden an die Demokratiesäule gehängt. Entstanden ist so eine farbenfrohe Litfaßsäule mit Aussagen wie „Offener Dialog auf allen Ebenen – Durchhalten!“ oder „Akzeptanz, Wertschätzung, Respekt und Offenheit.“ Die Demokratiesäule ist ein Projekt der Herrenberger Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums.

Direkt nebenan konnten die Engagierten Scherenschnitte anfertigen und bunt verzieren. Das Projekt wurde von Fotoclub Objektiv und dem Kunstverein angeboten. Einen Raum weiter spielen Gehörlose einen Film ab, der die Gebärdensprache erklärt. „Früher war die Gebärdensprache verpönt“, erzählt die gehörlose Gebärdensprachlehrerin Heidemarie Mezger. Sie hat auch viele Blätter mit Tipps für den Umgang mit Gehörlosen und Erklärungen von Vorstellungen und Begrüßungen bereitgelegt und erläutert sie gestenreich.

Dreh- und Angelpunkt war das Café. Dort verköstigten Schüler*innen der Vogt-Hess-Werkrealschule die Besucher. „Sie haben ein ausgesprochen leckeres regio-faires Fingerfood-Buffet vorbereitet“, so Manuela Epting vom Team Bürgerengagement. Alle Engagierten zog es immer wieder ins Café, hier ergaben sich vielfältige Begegnungen und angeregte Gespräche. 

Im ersten Stock begrüßen Vertreter von FödeM Gäste – in einem knallroten Dialogzelt. FödeM – das bedeutet Förderung des deutschsprachigen Moscheeunterrichts. Wann findet der Ramadan statt, fragt das Quiz-Programm, vielleicht an Halloween? - Die Antwortmöglichkeiten sorgen für vergnügte Lacher. „Die Idee dahinter ist, dass wir Barrieren brechen wollen“, meint Zakaria Oulabi, Leiter des Projekts.

Ein Zimmer weiter stellt der Stadtjugendring eine neue Internetseite vor: Auf dem der Beteiligungsplattform „JugendTräume“ können junge Menschen direkt über Projekte abstimmen oder Verbesserungsvorschläge einbringen. „Die Idee ist, dass wir sie besser erreichen“, sagt Angelika Reinhardt, Jugendreferentin, die für die Fachstelle Jugendbeteiligung verantwortlich ist.

Eine Solar-Lampe für Kinder aus Afrika bauen konnte man zum Beispiel im zweiten Stock. Dort leiten IBM-Mitarbeiter – an diesem Tag alle ehrenamtlich unterwegs -  eifrige Bastler beim Löten an. „Wenn Kinder in Afrika lernen wollen, müssen sie sich abends an Tankstellen und Flughäfen versammeln, denn es gibt in den Dörfern keinen Strom“, erklärt die Projektleiterin Tanja Schmid. Zwei bis drei Stunden dauert es, eine Lampe herzustellen. „Das ist anstrengender, als ich dachte“, meinte eine jugendliche Teilnehmerin.

Leichter konnten Besucher in den Cajon-Workshop des Stadtjugendrings und des Teams Bürgerengagements einsteigen, der sich besonders an Flüchtlinge wendet. Der Grundschlag auf der Sitztrommel ist ganz einfach zu erlernen. „Es ist ein sehr intuitives Instrument“, erklärt Percussionist Ben Breitling. Das Projekt wendet sich besonders an Geflüchtete. Ein Syrer mit Fluchterfahrung hat schon mehrere Termine besucht und ist eifrig bei der Sache. Über die Trommel tauscht er sich mit einem viel Jüngeren aus, neben ihm sitzt ein 80-jähriger Urschwabe. - Der Rhythmus verbindet.