"Die Stärke des Fußballs ist es, Menschen zu verbinden."

Du bist Mitbegründer von „Feiner Fußball“ in Dresden, eine Initiative, die sich gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit einsetzt? Wie ist die Organisation entstanden und was war Deine persönliche Motivation dahinter?

Ich war selber 13 Jahre aktiver Amateurfussballer und liebe diesen Sport. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit immer wieder Erfahrungen mit Diskriminierung und abwertendem Verhalten machen müssen. Für mich ist das auch deswegen schwer zu ertragen, weil ich es eigentlich als eine große Stärke des Fußballs sehe, Menschen zu verbinden – ganz gleich wer sie sind oder wo sie herkommen. Warum sollte das nicht für verschiedene sexuelle Orientierungen gelten?

Als ich zum Studium nach Dresden zog begann ich mich bald für die Rechte von LSBTI* (kurz für: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans und Inter*) zu engagieren. Ich war aktiv in der Bildungsarbeit, habe Aufklärung an Schule betrieben. Der Wunsch die „Baustellen“ im Sport anzugehen, blieb aber immer da. Irgendwann habe ich das gegenüber den Verantwortlichen des Vereins „Gerede“, bei dem ich damals schon aktiv war, erwähnt. Und die sagten zu mir: „Dann gründen wir das doch einfach!“ So ging das alles vor über zwei Jahren los.

Könntest Du die Ziele von „Feiner Fußball“ auch positiv benennen? Also WOFÜR engagiert Ihr Euch?

Ich finde das eine richtig gute Frage, weil ich manchmal das Gefühl habe wir werden immer nur als die wahrgenommen, die GEGEN etwas kämpfen. Gegen Homophobie, gegen Diskriminierung. Ich mag diese Anti-Haltung nicht, die uns manchmal unterstellt wird.

Wir treten ein für Respekt und für Akzeptanz gegenüber allen Aktiven im Fußball. Das sind selbstverständlich nicht nur die Spieler*innen, sondern auch Fans, Schiedsrichter*innen oder Trainer*innen. Ein wichtiges Element des Sports ist Fair Play und das wollen wir mit Leben füllen. Denn ob Du gut kicken kannst, hat nichts damit zu tun, wen Du liebst.

Kurz gesagt treten wir dafür ein, dass alle die Möglichkeit haben, diesen wunderbaren Sport zu betreiben – egal ob Mann, Frau oder Inter*, ob homo-, hetero- oder bisexuell.

Könntest Du den Namen Eurer Website „gerede“ erklären?

Der „Gerede“ ist weit mehr als unsere Website. Dieser Verein setzt sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert für die Interessen von homo-, bisexuellen und transidenten Menschen sowie deren Angehörigen in Dresden und Ostsachsen ein. Dieser Verein, der in der Dresdner Neustadt zuhause ist, bietet uns ein Dach, unter dem wir das Projekt „Feiner Fußball“ gemeinsam gestalten und entwickeln können. Ohne „Gerede“ würde es uns niemals geben und ich bin den Menschen dort für unglaublich viel dankbar.

Der Name ist im Übrigen natürlich ein bisschen ironisch gemeint: Nicht-heterosexuell zu sein sorgt auch heute immer noch an manchen Stellen für Getuschel und Tratsch – ich habe den Namen daher immer mit ein bisschen Augenzwinkern verstanden.

Was wäre eine wichtige politische Maßnahme im Sinne Eures Engagements?

Der DFB und alle seine Landesverbände sollten Antidiskriminierungsarbeit – und damit meine ich umfassende, intersektional angelegte – in ihre Ausbildung für Trainer*innen und andere Multiplikator*innen fest etablieren. Es darf kein Feigenblatt sein, sondern muss ein konsequent betriebener, eigenständiger Teil der Lehrgänge sein.

Viele Sportvereine, gerade in den ländlichen Regionen, machen Jugendarbeit im besten Sinne. Ich bin ich ein großer Fan davon, ich habe ja selber 13 Jahre lang massiv davon profitiert. Die Vereine und speziell die Verbände sollten sich aber auch der Verantwortung bewusst sein, die damit einhergeht. Wohin wenden sich junge Spieler*innen, wenn sie außerhalb des Sports persönliche Probleme haben? Diese Frage müssen wir, gerade, aber nicht nur im Hinblick auf ein mögliches Coming-Out, besser beantworten.

Was wäre für Dich ein deutliches Zeichen für den Erfolg Eurer Arbeit?

Ich freue mich über kleine Dinge: Wenn Leute sich nach einem Vortrag bei mir bedanken, weil ich das Thema anspreche zum Beispiel. Und das jemand wie ich mal „Engagementbotschafter“ werden könnte, hätten sich die Gründer*innen des „Gerede“ Anfang der 1990er wohl auch nicht träumen lassen.

 

Das Interview führte Dr. Henning Fülle.