Stiftung taubblind leben

Taubblindheit ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Von Behörden wird diese Behinderung nicht als eigenständige Behinderung erfasst: Es gibt kein entsprechendes Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis, spezifischen Leistungen für taubblinde und stark hörsehbehinderte Menschen sind nicht oder sehr mangelhaft definiert, der Zugang ist mühsam und voller Barrieren. Bis zu 6.000 Menschen sind in Deutschland von Taubblindheit betroffen. Sie leben weitgehend ohne qualifizierte Assistenz, Beratung oder Rehabilitationsmaßnahmen, oftmals sehr isoliert und inaktiv.

Vor diesem Hintergrund setzt sich die Stiftung taubblind leben dafür ein, dass Taubblindheit in der Gesellschaft und bei den Leistungsträgern bekannt und anerkannt, sowie notwendige Unterstützungsleistungen klar definiert sind. Ziel ist es, dass der Zugang zu qualifizierter Taubblindenassistenz, Beratung und Rehabilitation gesichert ist und Bildungs- sowie Freizeitangebote ebenso zur Verfügung stehen wie Beschäftigungs- und Wohnangebote.

Was wurde bisher erreicht?

Über die Stärkung der Selbsthilfe, intensive Öffentlichkeitsarbeit und viele Gespräche mit der Politik wirkt die Stiftung taubblind leben gemeinsam mit den Vereinen der Selbsthilfe auf die Anerkennung in Form eines Merkzeichens im Schwerbehindertenausweis und damit verbundene Nachteilsausgleiche hin. Mit Unterschriftenaktion, vielen Gesprächen in unterschiedlichen Ministerien und übergeordneten Institutionen wie dem Deutschen Institut für Menschenrechte, Vorträgen oder der Mitwirkung am Parallelbericht zum Staatenbericht anlässlich der Ratifizierung der UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderung konnte politische Aufmerksamkeit erzielt werden: Seit November 2012 liegt ein einstimmiger Beschluss der Arbeits- und Sozialministerkonferenz zur Einführung des Merkzeichens vor. Außerdem wurde die besondere Berücksichtigung der Lebenssituation taubblinder Menschen im Koalitionsvertrag dokumentiert.

Daneben findet eine intensive Basisarbeit statt, um isoliert lebende Menschen zu finden, Verbesserungen einzuleiten sowie die Situation zu dokumentieren. In Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Expertinnen und Experten initiiert, fördert und organisiert die Stiftung taubblind leben Veranstaltungen und Fachgespräche sowie den vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Kongress Leben mit Taubblindheit im September 2014 in Potsdam mit über 250 Teilnehmern oder der Abschlussveranstaltung zum Projekt Aufklären – Finden – Inkludieren im Mai 2015 in Düsseldorf.

Jenseits solcher großen Projekte fördert die Stiftung taubblind leben die Aktivitäten der Selbsthilfe sowie einzelne taubblinde Menschen. Die Arbeit hat zu zunehmender Sichtbarkeit taubblinder Menschen geführt und das Thema im politischen Umfeld verankert.

Welche Zukunftspläne hat die Stiftung?

Für die Stiftung taubblind leben gilt es, staatliche Leistungen und öffentliche Förderung voranzutreiben sowie die Selbsthilfe zu stärken. Als Basis für das operative Geschäft hat die Stiftung gerade gemeinsam mit Leben mit Usher-Syndrom e.V., der Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden BAT e.V. und dem Deutschen Taubblindenwerk die „Deutsche Gesellschaft für Taubblindheit“ gegründet. Diese Gesellschaft wird die Fachaufsicht im Bereich der Taubblindenarbeit für das Kompetenzzentrum für Menschen mit Sinnesbehinderung in NRW führen. Mit dieser Gesellschaft sollen Beratungssituation, Rehabilitationsangebot und die kommunikative Anbindung taubblinder Menschen verbessert werden. Projekte im Bereich der der Förderung von Wohn- und Beschäftigungsangeboten sowie Frühförderung sind weitere wichtige Zukunftspläne. Die Vision ist, dass taubblinde Menschen selbst Angebote und Beratung gestalten.

Weitere Informationen

www.gesellschaft-taubblindheit.de/startseite

www.youtube.com/watch?v=6Y9PKX3Dzto&feature=youtu.be

Kontakt:
Stiftung taubblind leben
Turnhallenweg 7
65529 Waldems Esch
E-Mail: info@stiftung-taubblind-leben.de

www.stiftung-taubblind-leben.de

Kategorie: Initiative/ Verein
Bundesland: NRW

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