SONDER-INFOLETTER "ENGAGIERT FÜR INKLUSION" (17.09.2014)

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten heute den ersten  SONDER-INFOLETTER

ENGAGEMENT FÜR INKLUSION

anlässlich des Thementages der diesjährigen zehnten „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ (12. bis 20. September 2014).

Diese SONDER-INFOLETTER bieten Ihnen vertiefende Informationen und Diskussionsansätze zu den drei Thementagen der Aktionswoche. Der Thementag ENGAGEMENT IN DER ALTERNDEN GESELLSCHAFT  findet dann am 19. September 2014 statt, und der Thementag ENGAGEMENT IN KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN hat am 15. September 2014 stattgefunden.  Die Informationspakete enthalten jeweils zwei Interviews mit markanten Positionen zum Thema und stellen Projekte und Veranstaltungen aus der Praxis vor.

Alle drei SONDER-INFOLETTER werden an die Abonnenten des INFOLETTERS der Woche des bürgerschaftlichen Engagements und einmalig auch über den Verteiler des BBE-Newsletters versandt.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Berlin, den 17. September 2014

PD Dr. Ansgar Klein, Geschäftsführer des BBE
Henning Fülle, Redakteur

INHALT

Einleitung
Fragen an Dr. Sandra Reitz, Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin
Fragen an Benedikt Lika, Stadtverordneter, Augsburg
Portraits von Projekten zu Engagement und Inklusion

Einleitung

Thementag „Inklusion“ - 17. September 2014

Engagiert für Inklusion

Die Aufgabe „Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft“ scheint Selbstverständlichkeiten zu formulieren – jedenfalls für Gesellschaften, die in der Tradition der Erklärung der Menschenrechte verfasst sind: Die Verwirklichung des Rechtes aller Menschen auf gleichberechtigte und chancengleiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Mit dem Begriff der Inklusion ist zum Ende des vergangenen Jahrhunderts jedoch ein neuer Ansatz zur Konkretisierung dieses Menschenrechtes entwickelt worden. Mit dem Begriff Inklusion ist der Anspruch verbunden, Mängel und Widersprüchlichkeiten der bis dahin vorherrschenden Konzepte der Integration von Minderheiten, des Ausgleichs von Behinderungen oder Beeinträchtigungen zu überwinden.

Zumal in dieser „weiteren“ Fassung ist Inklusion – die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft – ein genuines Thema bürgerschaftlichen Engagements. Hier geht es also um die Erfahrungen, Erwartungen und  Diskussion über Inklusion von Organisationen und Verbänden von und für Menschen mit Behinderungen. Es geht aber auch um eine „Politik der Lebensstile“, um die Anerkennung von Differenzen in der Gesellschaft entlang von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, geschlechtlicher Orientierung etc. Zu diskutieren sind hier also Fragen eines umfassenden gesellschaftlichen Kulturwandels, der beispielsweise auch „Senioren" oder „Migranten" einbezieht.

Gerade die Verwirklichung eines solchen umfassenden gesellschaftlichen Kulturwandels ist allein mit den klassischen Mitteln staatlicher Politik und Verwaltung – der Setzung von Regeln, Normen und der Durchführung von Maßnahmen – nicht zu erreichen. Hierfür ist das eigenverantwortliche Engagement von Bürgerinnen und Bürgern jenes notwendige Element, das die Ideen und Normen der Demokratie lebendig macht, wie die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache erklärt hat.

Zu diesem Thementag veranstaltet das BBE gemeinsam mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in NRW (lagfa NRW) ein Ländergespräch "Inklusion im Engagement". Anmeldungen zu dieser Veranstaltung sind leider nicht mehr möglich.

Fragen an Dr. Sandra Reitz, Deutsches Institut für Menschenrechte

Frau Dr. Reitz, was ist mit der Forderung nach Inklusion gemeint, vor allem in Abgrenzung zum Begriff Integration?

Die Übergänge können fließend sein, gerade wenn von „Inklusionsfähigkeit“ die Rede ist, was eigentlich eine paradoxe Wortschöpfung ist und „Integrationsfähigkeit“ ersetzt. Auch haben viele Menschen unter dem Begriff der Integration schon inklusive Ansätze umgesetzt. Aber im Grunde gilt: Bei der klassischen Integration – die im Alltagsverständnis häufig mit Assimilation, also Anpassung einer Minderheit an die Mehrheit gleichgesetzt wird – geht es darum, Ausgegrenztes wieder einzuschließen. Eine Gruppe wird in eine andere, größere Gruppe integriert. Dementsprechend gibt es eine „normale“ Gruppe und „die Anderen“. Bei der Inklusion hingegen wird eine solche 2-Gruppen-Theorie bewusst abgelehnt. Die Gesamtgruppe wird als heterogen, aber untrennbar betrachtet, es geht um „alle“. Insofern kann es keine „Inklusionsfähigkeit“ geben, über die einzelne verfügen oder auch nicht, sondern es geht um den Abbau von Barrieren, damit sich alle als dazugehörig fühlen können. Exklusion muss dazu vermieden werden, Strukturen und Mechanismen angepasst werden – nicht die Menschen müssen angepasst werden.

Hier finden Sie das vollständige Interview.

www.institut-fuer-menschenrechte.de


Fragen an Benedikt Lika, Stadtverordneter in Augsburg

1. Herr Lika, Sie haben vor sieben Jahren die Initiative „Roll and Walk“ ins Leben gerufen: Eine Konzertreihe in Augsburg, die für Menschen mit Behinderung sowohl kosten- als auch barrierefrei ist. Was ist Ihre Idee dahinter?

 Für mich spielt Musik eine zentrale Rolle in meinem Leben. Ich bin in einem Musikerhaushalt aufgewachsen, mein Vater ist ein international renommierter Sänger, ich besuchte das musische Gymnasium bei St. Stephan, habe Musikwissenschaft an der Universität Augsburg studiert. Kultur ist in meinen Augen ein Menschenrecht, das aber leider noch immer nicht für alle Menschen gleich zugänglich ist. Das ist einerseits eine Frage der Sozialisation, aber es ist auch Barrieren baulicher und gedanklicher Art geschuldet. Das beginnt schon damit, dass Veranstaltungsräume nicht barrierefrei zugänglich sind, dass das Kontingent von Rollstuhlplätzen auf ein Minimum beschränkt ist und endet bei einer Art „Begleitpersonenzwang“ dank des Merkzeichens B im Ausweis. Gerade diese Barrieren haben wir bei Roll and Walk beseitigt und machen damit kulturelle Teilhabe erst möglich.

Durch mein eigenes künstlerisches Wirken wurde ich aufmerksam darauf, dass die aktive Teilgabe notwendig ist. Die Zuhörer und damit ein Teil der vermeintlich nicht-behinderten Gesellschaft, die meine Konzerte besuchen, werden für das Können von Menschen mit Behinderung sensibilisiert, und der Fokus der Wahrnehmung richtet sich weg von der Einschränkung hin zum Talent. Die sogenannte Behindertencommunity ist reich an künstlerischen Begabungen und diesen möchte ich im Rahmen des Roll and Walkfestivals ein Podium bieten.

Kultur kann auf diese Weise Brückenbauer zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sein.

Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Benedikt Lika.

www.benedikt-lika.de

 

Portraits von Projekten zu Engagement und Inklusion

1. Botschafter-Projekt: Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.

Der Verein unterstützt unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe interessierte Regionen bei der Planung lokaler Aufklärungskampagnen: In mittlerweile über 70 Städten und Regionen bundesweit werden Hausärzte und Multiplikatoren geschult (z.B. Lehrer, Polizisten), öffentliche Veranstaltungen organisiert sowie (Selbsthilfe-)Angebote für Betroffene und Angehörige geschaffen. Innerhalb der lokalen Bündnisse engagieren sich Ärzte, Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, sozialpsychiatrische Dienste und Weitere.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Semmelweisstr. 10, Haus 13
04103 Leipzig

http://www.buendnis-depression.de/

 

2. Fördern durch Spielmittel - Ein Projektbesuch organisiert von der Aktion Mensch

Im Rahmen des Thementags zur Inklusion werden wir das Begegnungs- und Familienzentrum des Vereins Fördern durch Spielmittel e.V. besuchen. Der Verein unterhält neben Seminar- und Büroräumen eine Ludothek (Spielzeugausleihe und Zentrum für Spiel, Integration und Familien), Werkstätten für Spielzeugbau und zur berufsvorbereitenden Förderung von Jugendlichen mit und ohne Behinderung und die Zweckbetriebe Tischlerei und Schneiderei. Der Verein wurde und wird von der Aktion Mensch gefördert.

Gemeinsam mit Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne Benachteiligungs- und Ausgrenzungserfahrung engagiert sich der Verein für ein friedliches und bereicherndes Miteinander, in dem jeder seine individuellen Kompetenzen einbringt und entsprechend seinen Möglichkeiten Verantwortung übernimmt. Der Verein schafft ein kreatives Betätigungs- und Lebensumfeld, in dem jeder Mensch seine persönlichen Stärken entfalten und für sich selbst und andere einsetzen kann.

Weitere Informationen zum Projekt. Im Anschluss an die Besichtigung findet ein Fachgespräch zum Thema inklusives Engagement statt.
10:00 Uhr - 13:00 Uhr Projektbesichtigung und Fachgespräch, anschließend Mittagssnack

Anmeldung für Interessierte. Sie können sich auch bei der Aktion Mensch unter 0228/2092391 anmelden.
Die Teilnehmerzahl ist beschränkt.

Veranstaltungsadresse:
Fördern durch Spielmittel e.V.
Immanuelkirchstraße 24
10405 Berlin

http://www.spielmittel.de/

 

3. Die Arche wandert

Seit 50 Jahren lebt die Arche Inklusion, indem sie Menschen mit und ohne Behinderung ein Zuhause bietet. An zwei von drei Standorten, in Ravensburg und Tirol, sind Ergänzungsbauten erforderlich, damit die Bewohner weder durch körperliche Beeinträchtigung noch durch Alter ihr Zuhause verlieren. Daher brauchen zwei Arche Einrichtungen dringend einen Neubau. Ohne diese könnten Menschen wie Josef, Doris und Lambert aus der Arche herausgerissen werden und damit die ihnen vertraute Gemeinschaft und die professionelle Betreuung der Arche verlieren. Zudem warten Menschen auf einen Platz in der Arche Tirol, den sie derzeit nicht bieten kann. Deshalb sind die Freunde und Förderer der Arche aktiv geworden. Zum zweiten Mal mobilisieren sie Bewohner, Freiwillige und Unterstützer und rufen auf zur Aktion "Die Arche wandert". 14 Tage wird gewandert, und zwar 280 km. Die Wanderung beginnt am 03.09. in Gries am Brenner / Tirol . Am 04.09.ist eine Eröffnungsfeier in Innsbruck und am 14. Tag, dem 17.09. ist die Abschlussveranstaltung in Ravensburg. Die Organisation der Übernachtungen erfolgt ehrenamtlich durch Freunde der Arche. Aufgenommen werden die Wanderer in Kirchengemeinden, die sich ehrenamtlich einbringen und die Aktion unterstützen. Das gemeinschaftliche Miteinander in der Arche basiert auf ehrenamtlichem Engagement der nichtbehinderten Mitbewohner. Die Wanderer lassen sich ihre gelaufenen Km sponsern. Der Erlös fließt den Neubauprojekten zu. Mitwanderer (auch für Tagesstrecken) sind ebenso willkommen wie Spenden oder Berichterstattung.

Frau Froeb hat im letzten Jahr die Aktion "Die Arche wandert" ins Leben gerufen. Dies geschah als Solidaritätsaktion mit anderen Arche Einrichtungen, deren Existenz bedroht ist. Die Aktion war so erfolgreich, dass sie dieses Jahr zum zweiten Mal als bi-nationale Aktion Deutschland-Österreich stattfindet.

Datum: 03.09.2014 09:00 Uhr - 17.09.2014 19:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Bodelschwinghweg 6
49545 Tecklenburg

Kontakt:Arche Deutschland und ÖsterreichFrau Astrid FroebTelefon: +49-(0)5482-4018984 E-Mailhttp://www.die-arche-wandert.de

 

4. Inklusions-Projekt Morsbach; Wohnhaus St. Gertrud - Kooperation mit FORD

Das Behinderten-Zentrum St. Gertrud ist eine Wohneinrichtung für Menschen mit geistigen und komplexen Behinderungen in Morsbach. Um Inklusion zu fördern, wurde am Sportplatz ein neues Wohnhaus für insgesamt zwölf Erwachsene gebaut, die aus der zentralen Wohneinrichtung dorthin ziehen. Die neuen Bewohner wünschen sich die Gestaltung einer Begegnungsecke mit dem Ziel nachbarschaftlicher Treffen und gemeinsamer Grillabende auf der zum Haus gehörenden Wiese, die an eine Siedlung grenzt. Dieses Vorhaben wird von Ford personell & finanziell unterstützt. Eine „Baumbank“, ein Podest, ein Pavillon und eine Grillecke werden von einem Ford Team realisiert.

Datum: 17.09.2014 08:00 Uhr - 17.09.2014 17:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Kirchstr. 17-21
51597 Morsbach

Kontakt:Ford-Werke GmbHHerr Dr. Wolfgang HennigTelefon: +49 (0) 221-90-18172E-Mailhttp://www.ford.de

Hrsg.: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
V.i.S.d.P.: PD Dr. Ansgar Klein
Infoletter-Redaktion: Dr. Henning Fülle, Dieter Rehwinkel
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
BBE Geschäftsstelle gGmbH - Team der Aktionswoche -
Michaelkirchstraße 17/18
10179 Berlin
Tel: +49 (030) 62980 - 120
Fax: +49 (030) 62980 - 9183
E-Mail: aktionswoche@b-b-e.de
www.engagement-macht-stark.de
www.b-b-e.de

Logo von BBE
Partner