SONDER-INFOLETTER "ENGAGEMENT IN KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN" (15. 09. 2014)

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten heute den ersten  SONDER-INFOLETTER

ENGAGEMENT IN KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN

anlässlich des Thementages der diesjährigen zehnten „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ (12. bis 20. September 2014).

Diese SONDER-INFOLETTER bieten Ihnen vertiefende Informationen und Diskussionsansätze zu den drei Thementagen der Aktionswoche. Der Thementag ENGAGIERT FÜR INKLUSION  findet dann am 17. September 2014 und der Thementag ENGAGEMENT IN DER ALTERNDEN GESELLSCHAFT am 19. September 2014 statt.  Die Informationspakete enthalten jeweils zwei Interviews mit markanten Positionen zum Thema und stellen beispielhafte Projekte und Veranstaltungen aus der Praxis vor.

Alle drei SONDER-INFOLETTER werden an die Abonnenten des INFOLETTERS der Woche des bürgerschaftlichen Engagements und einmalig auch über den Verteiler des BBE-Newsletters versandt.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Berlin, den 15. September 2014

PD Dr. Ansgar Klein, Geschäftsführer des BBE
Henning Fülle, Redakteur

INHALT

Einleitung
Interview mit Dr. Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik, Universität Halle
Interview mit Peter Kromminga, UPJ, Berlin
Portraits ausgewählter Unternemensengagements

Kleine und mittlere Unternehmen - Leuchttürme des Engagements?

Die Engagementpraxis von Wirtschaftsunternehmen ist ein ständiger Schwerpunkt, auch während der Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Dabei stehen zumeist die Großunternehmen im Fokus der Wahrnehmung – in diesem Jahr richten wir unseren Blick besonders auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dazu zählen mehr als 99 Prozent der Wirtschaftsunternehmen in der Bundesrepublik (und auch in der EU).

Für kleine und mittlere Unternehmen sind die Bedingungen im Hinblick auf die Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung signifikant verschieden: Personelle und materielle Ressourcen, die für Freistellungen zum Corporate Volunteering, Mentoring oder zur Unterstützung des Gemeinwesens zur Verfügung gestellt werden könnten, sind begrenzt.

In KMU sind, wie das Bonner Institut für Mittelstandsforschung untersucht hat, über 65 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse angesiedelt und werden über 80 Prozent der Berufsausbildungen realisiert. Insofern nehmen sie im Verhältnis zu ihrer Größe schon dadurch ein hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung wahr; aber auch darüber hinaus sind kleine und mittelständische Unternehmen in der Regel stark mit ihren Standorten verbunden und aktive verantwortliche Mitglieder der Gesellschaft.

Gelten die Zuschreibungen, KMU seien besonders innovativ, kompetent und effektiv und bildeten damit den Kern der internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft, auch für ihre Engagementpraxis und die Wahrnehmung ihrer „Corporate Social Responsibility (CSR)“? Welche Rolle kann Engagementpraxis von KMU bei der Entwicklung eines balancierten Welfare Mix – zumal im ländlichen Raum - spielen? Welche Möglichkeiten haben KMU, die sich in die Entwicklung engagementfördernder Infrastrukturen einzubringen?

 

Zu diesem Thementag findet am 15. September in Berlin das BBE-Mittagsgespräch "Engagement im Mittelstand" statt, das gemeinsam mit BP Europa SE veranstaltet wird und zu dem 18 Expertinnen und Experten geladen sind. Wir werden berichten.

INTERVIEW MIT DR. INGO PIES, Professor für Wirtschaftsethik, Universität Halle

Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, erläutert im Interview u.a., warum Wirtschaftlichkeit und Engagement keine gegensätzlichen Pole sind, sondern einander ergänzen können, und was getan werden müsste, um die Engagementpotenziale von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stärker zu mobilisieren.

Lesen Sie hier das vollständige Interview.

Auszüge aus den Antworten von Herrn Prof. Pies:

"Die KMU sind die eigentlichen Erfinder der Praktiken, die wir heute als CSR bezeichnen. Eine ausgeprägte Kunden- und Mitarbeiterorientierung muss man den meisten Familienunternehmen nicht erst künstlich beibringen. "

"[Ich] bin skeptisch, wenn manche so tun, als gäbe es einen sonderlich drängenden Bedarf dafür, dass staatliche Bürokraten privatwirtschaftliche Unternehmen darin unterweisen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Für mich ist das so, als wollte man Eulen nach Athen tragen."

" [...] gerade auch im zivilgesellschaftlichen Sektor beobachten wir eine starke Zunahme partnerschaftlicher Engagements, etwa wenn mittelständische Unternehmen der Pharmabranche bestimmte Selbsthilfegruppen von Patienten mit seltenen Krankheiten unterstützen oder wenn Unternehmen der IT-Branche mit Behinderten-Werkstätten zusammenarbeiten, um die inklusiven Wirkungen der neuen Technologien (z.B. Textvergrößerungen für Sehbehinderte oder Textversprachlichung für Blinde) zu erforschen und zu erproben, [...]"

Fragen an Peter Kromminga, UPJ

1. Welchen Anteil hat das Engagement von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) schätzungsweise im Verhältnis zum gesamten Engagement in Deutschland und wie engagieren sich mittelständische Unternehmen?

Der Engagementbericht der Bundesregierung hat valide Aussagen zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen und auch von kleinen und mittleren gemacht, die auch von Untersuchungen etwa des Instituts für Mittelstandsforschung gestützt werden. Der weitaus überwiegende Teil der kleinen und mittleren Unternehmen ist gesellschaftlich engagiert und das Engagement ist so vielfältig wie der Mittelstand selbst. Das reicht vom traditionellen und nach wie vor umfangreichen finanziellen Engagement in Form von Spenden, Sponsoring, Stiftungen und der Bereitstellung von Sachspenden, der Infrastruktur des Unternehmens über den Einsatz von Zeit, Know How und Wissen der Inhaberinnen und Inhaber und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis hin zum Einsatz von Verbindungen, um sich gemeinsam mit anderen für eine gute Sache einzusetzen. Mittelständische Unternehmen leisten also über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus einen erheblichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt.

Lesen Sie hier das vollständige Interview


Peter Kromminga ist Geschäftsführer von UPJ – Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR, und Mitglied im CSR Forum der Bundesregierung.
UPJ ist das Netzwerk engagierter Unternehmen und gemeinnütziger Mittlerorganisationen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen, indem sie neue Verbindungen zwischen Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Verwaltungen schaffen. Diese Akteure unterstützt der gemeinnützige UPJ e.V. darüber hinaus mit Informationen und Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility Aktivitäten.


www.upj.de

 

PORTRAITS AUSGEWÄLTER UNTERNEHMENSENGAGEMENTS

 1.      Engagementbotschafter 2014: Alfred Kiess GmbH

Das weltweit tätige, familiengeführte Innenausstattungs-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart ist in diesem Jahr zum Engagement-Botschafter in der Kategorie „Unternehmensengagement kleiner und mittlerer Unternehmen“ ernannt worden.

Um die Integration gehörloser Mitarbeiter zu fördern, bietet die Alfred Kiess GmbH allen Kollegen kostenlose Kurse zum Erlernen der Gebärdensprache an. Zudem setzt sich insbesondere der Geschäftsführer Tilo Kiess als Spender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei ein und organisiert Typisierungsaktionen. Mittlerweile sind fast alle der fünfzig Mitarbeiter des Unternehmens bei der DKMS registriert.

2006 riefen die Geschäftsführer die Wohltätigkeits-Veranstaltung „Comedy und Kunst zwischen Hobelbänken“ ins Leben. Das Unternehmen spendet die Erlöse der Theateraufführung zwischen Hobelbänken und Maschinen der „Olgäle Stiftung für das kranke Kind“ e. V. Seit dem Start des Projektes konnten die Geschäftsführer bereits drei Veranstaltungen durchführen und insgesamt 18.500 Euro an die Stiftung übergeben.

 http://www.alfred-kiess.de/engagement-auszeichnungen.html

 

2.      Lebensbaum Ulrich Walter  GmbH

Ulrich Walter handelt seit 30 Jahren mit umweltverträglich angebauten Tee-, Kaffee- und Gewürzsorten aus aller Welt. Aber auch in seiner Heimat möchte der Unternehmer einen Beitrag zum Naturschutz leisten. Im niedersächsischen Diepholz, dem Sitz der Firma Lebensbaum, befindet sich ein ausgedehntes Moorgebiet, dessen Schutz sich die von der Familie Walter gegründete Stiftung Lebensbaum zur Aufgabe gemacht hat. Mit dem tätigen Einsatz der Firmenbelegschaft wird die Wiedervernässung des Moors gefördert, zudem hat die Stiftung eine Patenschaft für das Diepholzer Moor übernommen und fördert das Projekt mit Geldspenden. Ein engagiertes Corporate-Volunteering-Projekt!

http://shop.lebensbaum.de/

 

 3.      Inallermunde design

Als Utopie und Spinnerei ist die Idee von Christian Skrodzki zunächst verlacht worden, das historische Bahnhofsgebäude im Leutkircher Allgäu wieder in Stand zu setzen. Seit Wendezeiten stillgelegt, war der über 100 Jahre alte Bau zur Ruine verkommen, als Skrodzkis Agentur „inallermunde“ sich seiner annahm. Das 15 Mitarbeiter starke Unternehmen entwickelte nicht nur ein Nutzungskonzept, sondern organisierte auch den Ankauf des Gebäudes durch die Gemeinde Leutkirch. Heute ist der „Leutkircher Bürgerbahnhof“ ein mehrfach ausgezeichnetes Vorbild für Unternehmens- und Bürgerengagement, das sowohl die Allgäuer Gemeinde als auch die Design-Agentur über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht hat. Utopisch? Visionär!

 http://www.inallermunde.de/mobile/mobile.html

 

4.      Gronauer Initiative Familienfreundlichkeit in Unternehmen (GrIFU )

Im Jahre 2008 haben sich im westfälischen Gronau mehrere Organisationen und Unternehmen zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Betreuung ihrer Mitarbeiterkinder in den Sommerferien zu organisieren. Seit 2010 können nun die Kinder der Mitarbeitenden in den Sommerferien eine Ferienfreizeit besuchen. Im vergangenen Jahr betreute ein 25-köpfiges Team aus ausgebildeten Erzieher/innen und Pädagogik-Student/innen vom DRK montags bis freitags von 7.30 bis 17.30 Uhr täglich rund 60 Kindern im Alter von 4-12 Jahren und ermöglichte ihnen ein abwechslungsreiches Ferienprogramm in den Räumlichkeiten der Overbergschule in Epe. Die Betreuung selbst stand jede Woche unter einem anderen Motto und beinhaltete auch Ausflüge.

 Zu den sieben beteiligten Unternehmen zählen der Industriebau HOFF und Partner GmbH Gronau, die Mondi Gronau GmbH sowie Sparkasse Gronau, das St.-Antonius-Hospital Gronau, die Stadt Gronau, die Stadtwerke Gronau GmbH und die „Job find 4 you“-Personalmanagement GmbH.

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/1692151-Kinderbetreuung-in-den-Ferien-GrIFU-ist-ein-Selbstlaeufer

 

5.      Landes-Bau-Genossenschaft Württemberg eG

Arbeitslosigkeit oder Schicksalsschläge können jeden treffen und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in Wohnungsnot bringen. Ohne Arbeit findet man kaum eine Wohnung, aber ohne festen Wohnsitz bekommt man häufig keinen Arbeitsplatz – ein Teufelskreis, dem Betroffene nur schwer entfliehen können. Projekte des betreuten Wohnens können ihnen jedoch helfen. Ermöglicht wird dies zum Beispiel in württembergischen Sigmaringen durch eine Kooperation zwischen der Wohnungslosenhilfe „Arbeitsgemeinschaft für Gefährdetenhilfe und Jugendschutz“ e.V. (AGJ) und der Bau-Genossenschaft Württemberg eG, die eines ihrer Objekte zu einem geringen Preis bereitstellt. Von den 132 Personen, die seit 2006 darin  betreut wurden, leben heute 120 wieder selbständig in einer eigenen Wohnung. So kann strategisches Engagement aussehen!

 http://www.lbg-online.de/soziales-management/

Hrsg.: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
V.i.S.d.P.: PD Dr. Ansgar Klein
Infoletter-Redaktion: Dr. Henning Fülle, Dieter Rehwinkel
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
BBE Geschäftsstelle gGmbH - Team der Aktionswoche -
Michaelkirchstraße 17/18
10179 Berlin
Tel: +49 (030) 62980 - 120
Fax: +49 (030) 62980 - 9183
E-Mail: aktionswoche@b-b-e.de
www.engagement-macht-stark.de
www.b-b-e.de

Logo von BBE
Partner