Sonder-Infoletter vom 19. September 2013 zum Thema „Partizipation und Bürgerbeteiligung“ – Mitgestalten und Mitverantworten – Demokratie stärken

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten heute den letzten von drei Sonder-Infolettern anlässlich der drei Thementage der diesjährigen „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ (10. bis 21. September 2013). Er hat das Thema „Partizipation und Bürgerbeteiligung“ – Mitgestalten und Mitverantworten – Demokratie stärken. Der Sonder-Infoletter stellt themenbezogene Projekte aus der Praxis vor und gibt Ihnen darüber hinaus weiterführende Hinweise zu Veranstaltungen, Publikationen oder Studien. Eine Themeneinführung bildet den Auftakt jeder Ausgabe. Es folgen die Präsentation des jeweiligen Engagement-Botschafters für die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ sowie die komprimierte Darstellung von fünf Engagementprojekten.

Alle drei Sonder-Infoletter werden einmalig über den Verteiler des BBE-Newsletters versandt.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

PD Dr. Ansgar Klein, BBE-Geschäftsführer

Johanna Neuling, Redakteurin

INHALT

1. Themeneinführung
2. Projekte
2.1 Botschafter Projekt: Storch Heinar/ ENDSTATION RECHTS.
2.2 „Colored Glasses“: Aktiv Toleranz lernen
2.3 Beteiligung lebt vom Mitmachen – Pilotprojekt für Bürgerbeteiligung in Potsdam
2.4 „PimP“ – Für eine selbstwirksame und partizipative Jugendkultur
2.5 „Youvo“: Junge kreative Fähigkeiten treffen auf soziales Engagement
2.6 „Bürgerhaushalt.de“: Aktivierung von Bürgerengagement und Förderung der Demokratie
3. Hinweise und Materialien
3.1 Wer, Wie, Was, Wieso, Weshalb, Warum?: Studie „Kinderbeiräte in Stiftungen“
3.2 Publikation: „Politische Partizipation jenseits der Konventionen“
3.3 Publikation: „Demokratie morgen. Überlegungen aus Wissenschaft und Politik“

1. Themeneinführung

Bürgerschaftliches Engagement zielt, so das wiederholte Ergebnis des Freiwilligensurveys, auf die Gestaltung der Gesellschaft – zumindest im Kleinen.
Über eigene Engagementerfahrungen stellen sich Fragen der Beteiligung an Meinungs-, Willensbildungs-, und Einscheidungsprozessen.
Lernerfahrungen im Engagement sind daher zugleich politische Erfahrungen. Die Themen Partizipation und Bürgerbeteiligung sind nicht zuletzt durch politische Anlässe und Kontroversen in den öffentlichen Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.
Mit dem Sonder-Infoletter möchten wir Ihnen einen Einblick in die Vielfalt der Partizipations- und Beteiligungsprojekte in Deutschland geben.

2. Projekte

2.1 Botschafter Projekt: Storch Heinar/ ENDSTATION RECHTS.

Welche gewalttätigen Ausmaße rechtsextremes Gedankengut annehmen kann, hat erst kürzlich die Aufdeckung der NSU-Anschlagsserie in Deutschland gezeigt. Die von jungen Menschen aus den Reihen der Jusos in der SPD Mecklenburg-Vorpommern gegründete Internetplattform ENDSTATION RECHTS. informiert bereits seit 2005 kontinuierlich und tagesaktuell über rechtsextreme Entwicklungen und bietet Beteiligungsmöglichkeiten. Jeden Monat besuchen rund 150.000 Leser die Website. Seit 2008 unterstützt das von ENDSTATION RECHTS. gegründete Satire-Projekt Storch Heinar auf humoristische Weise die Aufklärungsarbeit. Storch Heinar wurde bundesweit bekannt als eine gelungene Initiative gegen die rechtsextreme Strategie, bei der Ansprache junger Menschen auf subtile Mittel wie Bekleidung oder Musik zu setzen. ENDSTATION RECHTS. und Storch Heinar setzen sich dafür ein, dass Menschen mit sachlichen und auch satirischen Mitteln für die Gefahren des modernen Rechtsextremismus sensibilisiert und zum eigenen Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ermutigt werden.

2.2 „Colored Glasses“: Aktiv Toleranz lernen

Das Bildungsangebot „Colored Glasses“ des Deutschen Youth For Understanding Komitees e.V. (YFU) wurde 2001 ins Leben gerufen. YFU führt als gemeinnütziger Verein seit über 50 Jahren langfristige, bildungsorientierte Schüleraustauschprogramme durch. Im Rahmen von „Colored Glasses“ veranstalten geschulte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bundesweit Workshops für Jugendgruppen. Die Förderung von Akzeptanz und Toleranz sind die Kernthemen des Projekts, das einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung und Eigenverantwortung leistet. Zielgruppen sind vor allem – aber nicht ausschließlich – Schulklassen. In den Toleranzworkshops werden die Themen Stereotype, Diskriminierung, interkulturelle Begegnung und Kommunikation interaktiv erarbeitet. Ein zwei- bis vierköpfiges Team leitet die Jugendlichen in Rollenspielen, Simulationen und Diskussionen didaktisch an. Das „Colored Glasses“-Team setzt sich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren zusammen.

2.3 Beteiligung lebt vom Mitmachen – Pilotprojekt für Bürgerbeteiligung in Potsdam

Die Landeshauptstadt Potsdam stellt sich den stetig ändernden Anforderungen im Verhältnis zwischen Verwaltung, Politik und Bevölkerung. Mit dem „Büro für Bürgerbeteiligung“ folgt sie dem Bestreben nach mehr und direkter Partizipation. Ziel des „Büros für Bürgerbeteiligung“ ist es, den Zugang zu verschiedenen Formen der aktiven Bürgerbeteiligung zu erleichtern. Das Büro wird über eine zweiteilig gleichberechtigte Struktur verfügen und einerseits von verwaltungsinternen Angestellten und andererseits von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines beauftragten freien Trägers besetzt. Darüber hinaus existiert ein ehrenamtlicher Beteiligungsrat, der als beratendes Gremium eingesetzt ist. Im Beteiligungsrat werden Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Stadtverordneten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und externen Fachleuten arbeiten. Diese Form der Zusammenarbeit ist deutschlandweit einmalig. Insgesamt versteht sich das „Büro für Bürgerbeteiligung“ als Schnittstelle zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik.

2.4 „PimP“ – Für eine selbstwirksame und partizipative Jugendkultur

Der Plattenbau gilt häufig als Synonym für eine unzeitgemäße, abstrakte und seelenlose Bauform und er steht sinnbildlich für die Herausforderungen, denen sich eine eigenständige Jugendpolitik in Sachsen-Anhalt stellen muss. Das Projekt „PimP – Partizipation im Plattenbau“ der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. – .lkj) – zielt darauf ab, Kinder- und Jugendliche zu animieren ihre Umgebung nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu verändern. Der Grundsatz dabei ist, dass die Kinder und Jugendlichen als Expertinnen und Experten in eigener Sache handeln und das Projektteam mit speziellen Workshops, finanziellen Mitteln und im Dialog mit Verantwortlichen unterstützend wirkt. Seit Juli 2012 werden in vier Regionen in Sachsen-Anhalt verschiedene Ideen, wie die Mitgestaltung eines Festivals oder die Aufwertung eines Quartiers durch Graffitis umgesetzt. Wolfgang Höffken, Jugendbildungsreferent der .lkj) betont, dass den Jugendlichen keine vorgedachten Konzepte vorgelegt werden, sondern dass sie aktiv die Gesellschaft verändern, in dem sie Ideen entwickeln, umsetzen und partizipieren.

2.5 „Youvo“: Junge kreative Fähigkeiten treffen auf soziales Engagement

Was wäre, wenn man Studierende und Auszubildende aus den Bereichen Medienproduktion, Gestaltung und Kommunikation mit Non-Profit-Organisationen und Social Startups vernetzt, um so ein attraktives Engagement-Angebot zu schaffen, das beiden Seiten neue Perspektiven eröffnet?
Mit dieser Frage starteten im Jahr 2012 sechs Studierende der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin in ihr Abschlussprojekt und entwickelten „Youvo“. Über eine Online-Plattform und ein lokales Workshop-Format sollen Anreize für junge Kreative gesetzt werden, sich sozial oder gesellschaftspolitisch zu engagieren. Sie sollen auf Organisationen treffen, die konkrete und zeitlich befristete Unterstützung bei kreativen Aufgaben suchen. Zum Beispiel bei der Gestaltung eines Flyers, der Produktion eines Videos oder der fotografischen Begleitung einer Veranstaltung. „Youvo“ bietet jungen Kreativen eine Vielfalt an Möglichkeiten, sich mit ihren Fähigkeiten für soziale Projekte zu engagieren und gleichzeitig wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln.

2.6 „Bürgerhaushalt.de“: Aktivierung von Bürgerengagement und Förderung der Demokratie

Bürgerhaushalte sind ein kommunalpolitisches Instrument, um Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Entwicklung ihrer Kommune einzubinden. Beispielsweise durch stärkere Mitsprache, welche Ressourcen für welche kommunalpolitischen Ziele eingesetzt werden. Die Internetplattform „Buergerhaushalt.de“ ist in Deutschland die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der Engagement Global gGmbH. Die bpb und die SKEW betreiben das Portal seit 2007 gemeinsam. Neben Basisinformationen zum Thema Bürgerhaushalt informiert die Website über aktuelle Bürgerhaushaltsprojekte aus dem deutschsprachigen Raum und weltweit. Ferner finden Interessierte dort praktische Tipps und Materialien sowie Erfahrungsberichte anderer Expertinnen und Experten aus der Bürgerhaushaltspraxis.

3. Hinweise und Materialien

3.1 Wer, Wie, Was, Wieso, Weshalb, Warum?: Studie „Kinderbeiräte in Stiftungen“

In Zusammenarbeit mit Active Philanthropy ist „Children for a better world“ in den vergangenen Monaten der Frage auf den Grund gegangen, wie junge Menschen in Deutschland und international in Förderentscheidungen eingebunden werden. Herausgekommen sind die Studie „Kinderbeiräte in Stiftungen“ sowie die Kampagne „KINDERBEIRÄTE – Hier entscheiden Kinder mit!“.
In der Studie werden Fallbeispiele und Formen der Kinder- und Jugendbeteiligung in deutschen und internationalen gemeinnützigen Stiftungen vorgestellt und Gelingensbedingungen für diese Art der Beteiligung benannt.

3.2 Publikation: „Politische Partizipation jenseits der Konventionen“

Graffiti, Flashmobs, Leserbriefe, Losentscheide, Massenverfassungsbeschwerden, Occupy Wall Street, Predigten und strategische Prozessführung – die Ausdrucksformen politischer Beteiligung sind vielfältig. In der Publikation „Politische Partizipation jenseits der Konventionen“ werden die Potenziale unkonventioneller Formen der Partizipation theoretisch erörtert, empirisch untersucht und typologisch eingeordnet.
Herausgegeben wurde der Sammelband von PD Dr. Dorothée de Nève und Dr. Tina Olteanu im Verlag Barbara Budrich.

3.3 Publikation: „Demokratie morgen. Überlegungen aus Wissenschaft und Politik“

Für die Nachkriegsgenerationen in Deutschland ist Demokratie eine Selbstverständlichkeit. Doch welche Spielräume hat besonnene demokratische Abwägung in Zeiten globalisierter Märkte, Rating-Agenturen und Expertenkommissionen? Brauchen wir neue Formen demokratischer Teilhabe und Entscheidungsfindung? Mit Hauke Brunkhorst, Horst Dreier, Burkhard Hirsch, Julian Nida-Rümelin und Volker Wulf/Marén Schorch diskutieren renommierte Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Politik Schwachstellen unserer Demokratie und weisen Wege zu ihrer Überwindung. Die Publikation ist im Transcript Verlag erschienen und wird herausgegeben von Prof. Ulrike Davy und Dr. Manuela Lenzen.

Hrsg.: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
V.i.S.d.P.: PD Dr. Ansgar Klein
Infoletter-Redaktion: Dr. Henning Fülle, Dieter Rehwinkel
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
BBE Geschäftsstelle gGmbH - Team der Aktionswoche -
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