Sonder-Infoletter vom 16. September 2013 zum Thema „Rahmenbedingungen für Engagement“ – Sich kümmern, ermöglichen, entwickeln – Mit Infrastruktur Engagement gestalten

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten heute den zweiten von drei Sonder-Infolettern anlässlich der drei Thementage der diesjährigen „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ (10. bis 21. September 2013). Er hat das Thema „Rahmenbedingungen für Engagement“ – Sich kümmern, ermöglichen, entwickeln – Mit Infrastruktur Engagement gestalten. Der Sonder-Infoletter stellt themenbezogene Projekte aus der Praxis vor und gibt Ihnen darüber hinaus weiterführende Hinweise zu Veranstaltungen, Publikationen oder Studien. Eine Themeneinführung bildet den Auftakt jeder Ausgabe. Es folgen die Präsentation des jeweiligen Engagement-Botschafters für die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ sowie die komprimierte Darstellung von fünf Engagementprojekten.

Alle drei Sonder-Infoletter werden einmalig über den Verteiler des BBE-Newsletters versandt.

Die nächste Ausgabe des Sonder-Infoletters erhalten Sie am 19. September 2013 zum Thementag: „Partizipation und Bürgerbeteiligung“ – Mitgestalten und Mitverantworten – Demokratie stärken.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

PD Dr. Ansgar Klein, BBE-Geschäftsführer

Johanna Neuling, Redakteurin

INHALT

1. Themeneinführung
2. Projekte
2.1 Botschafter-Projekt: Pakt für Pirmasens
2.2 Mitentscheiden, mithandeln, mitverantworten – das Projekt „jungbewegt“
2.3 „Das Wohl der Kinder muss Maßstab für die Umsetzung der Inklusion sein!“
2.4 Stadtteilzentren als Orte der gelebten Nachbarschaften
2.5 „Spuren in die Zukunft legen“: Bürgerstiftung Weimar
2.6 Die soziale Idee zum Mitmachen: „WechselWeise – Nachbarn helfen Nachbarn“
3. Hinweise und Materialien
3.1 ZiviZ-Survey 2012 schließt Datenlücke
3.2 Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros: „Engagement braucht Infrastruktur!“
3.3 Fachgespräch „Aktivierung ehrenamtlicher Ressourcen unter Migranten/Spätaussiedlern“

1. Themeneinführung

Wie finden Freiwillige zum Engagement? Wer macht eigentlich Engagement möglich? Wie funktioniert ein Gemeinwesen, an dem sich 23 Millionen Menschen mit freiwilligem, ehrenamtlichem Engagement beteiligen? Welche Strukturen sind nötig, damit Engagement nachhaltig wirken kann? Engagement ist nicht selbstverständlich, es bedarf richtiger Weichenstellungen und einer ermöglichenden Infrastruktur – es muss gemanagt werden.
Vereine und Verbände bieten Engagierten diese wichtige Infrastruktur. Zudem haben sich in den vergangenen 20 Jahren spezielle engagementfördernde Infrastruktureinrichtungen entwickelt: Angebote zur Information, Vermittlung, Beratung und Vernetzung von und für Freiwillige werden von Freiwilligenagenturen und -zentren, Seniorenbüros, Selbsthilfekontaktstellen, lokalen Anlaufstellen in der Kommunalverwaltung, von Nachbarschafts- und Mehrgenerationenhäusern oder von Bürgerstiftungen bereit gehalten.
Mit dem Themenschwerpunkt „Freiwilligenmanagement“ möchte das BBE einen Beitrag zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Engagement leisten und ausgewählte Projektbeispiele präsentieren.

2. Projekte

2.1 Botschafter-Projekt: Pakt für Pirmasens

Pirmasens hat die höchste Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz. Bei Jugendlichen betrug sie im Jahr 2010 mehr als zwölf Prozent. Es gibt vor Ort eine nicht geringe Anzahl von Kindern, denen der Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und insbesondere zu Bildung durch die familiären und sozialen Verhältnisse, in denen sie aufwachsen, erheblich erschwert ist. Auf Initiative des Oberbürgermeisters Dr. Bernhard Matheis ist daher 2008 der Pakt für Pirmasens ausgerufen worden. Alle bedeutenden staatlichen und ehrenamtlichen Initiativen, Kirchen, Verbände und Unternehmen haben sich dem Bündnis angeschlossen und entwickeln gemeinsam Ideen und Perspektiven zur Verbesserung der lokalen Bildungslandschaft. Mit gezielter und individueller Hilfe will der Pakt für Pirmasens die Chancen von Kindern verbessern, z. B. wenn im zentralen Projekt „Lebensbegleitung“ Familien durch Patinnen und Paten über längere Zeit begleitet werden oder Studierende verschiedener Nationalitäten Schülerinnen und Schülern Lernförderung anbieten. Der Erfolg des Paktes für Pirmasens kann sich sehen lassen: 24 ehrenamtliche Initiativen konnten bisher mehr als 1.400 Kinder und Jugendliche erreichen. Das Projekt gilt als Vorbild für andere Kommunen.

2.2 Mitentscheiden, mithandeln, mitverantworten – das Projekt „jungbewegt“

Kinder und Jugendliche sind Entscheider von morgen? Nein, sie bestimmen, entscheiden und handeln bereits heute mit. Ziel des Projekts „jungbewegt“ ist es, dass junge Menschen unabhängig von Herkunft und Bildungsstand die Möglichkeit haben, sich für die Gesellschaft und für ihre Belange einzusetzen. Voraussetzung für den Erfolg ist die Zusammenarbeit. Das Projekt schafft Netzwerke, in denen sich Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter mit Verantwortlichen aus Politik, Vereinen, Verbänden und Wirtschaft austauschen. Die Bertelsmann Stiftung als Träger der Initiative kooperiert dazu mit den Ländern Berlin, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Gemeinsam sollen verlässliche und dauerhafte Strukturen für eine Kultur der Beteiligung und Mitwirkung geschaffen werden. Zahlreiche Erkenntnisse, Erfahrungen und Beispiele aus der Engagementförderung in Kitas, Schulen und der außerschulischen Jugendarbeit sind bereits veröffentlicht und werden in Coachings und Qualifizierungen weitergegeben.

2.3 „Das Wohl der Kinder muss Maßstab für die Umsetzung der Inklusion sein!“

Mit Beginn des Schuljahres 2012/13 sind in allen Schulamtsbezirken des Landes Brandenburg Pilotschulen mit inklusiven Unterrichtsangeboten eingerichtet worden. Trotz des lobenswerten Ansatzes lässt dieses Pilotprojekt viele Fragen offen. Die Geschäftsführerin des AWO-Bezirksverbandes Potsdam e.V., Angela Basekow, verdeutlicht, dass die Umsetzung begann, ohne die vielen Professionen im Vorfeld ausreichend vorzubereiten. „Das Wohl der Kinder muss Maßstab für die Umsetzung der Inklusion sein!“, formuliert Angela Basekow.
Mit der überregionalen Kampagne „INKLUSION – JA, aber richtig!“ möchte der AWO-Bezirksverband Potsdam e.V. möglichst viele Menschen für dieses Thema sensibilisieren und unter Beachtung der demografischen Entwicklung bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen. Am Ende der Kampagne werden Forderungen für inklusive Bildung an Grundschulen entstehen. „Wir machen uns stark für eine Anpassung bzw. Änderung von Rechtsnormen des Landes Brandenburg (Schulgesetz)“, beschreibt Angela Basekow das Hauptziel der Kampagne.

2.4 Stadtteilzentren als Orte der gelebten Nachbarschaften

Das Land Berlin will den Bürgerinnen und Bürgern eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, die sozial-kulturelle Arbeit und gesundheitsfördernde Maßnahmen verbindet. Mit dem Infrastrukturförderprogramm Stadtteilzentren (IFP STZ) wird diesem zentralen Anliegen durch die Förderung von Nachbarschaftshäusern und der Selbsthilfe Rechnung getragen. Mit dem Programm sollen gesamtstädtische Rahmenbedingungen der sozialen Daseinsvorsorge etabliert werden. Das Land unterstützt finanziell mehr als 50 Nachbarschaftszentren, Selbsthilfekontakt- und Beratungsstellen, Seniorenprojekte und weitere – auch überregional wirkende – Projekte zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe. Ziele des Projekts sind: Die gesellschaftliche Teilhabe der Berliner Bevölkerung zu unterstützen, einer Ausgrenzung entgegenzuwirken und das bürgerschaftliche Engagement nachhaltig zu fördern.

2.5 „Spuren in die Zukunft legen“: Bürgerstiftung Weimar

Das reine Beklagen der desolaten, leeren öffentlichen Kassen reichte vielen Bürgerinnen und Bürgern Weimars nicht mehr aus. Sie waren und sind bereit, ihren Lebensmittelpunkt, ihre Stadt, zu unterstützen. An dieser Stelle setzt die Bürgerstiftung Weimar – getreu ihrem Motto „Spuren in die Zukunft legen“ – an. Die Bürgerstiftung Weimar stiftet an, Demokratie zu leben. Nach ihrem Selbstverständnis tritt sie weder in Konkurrenz zu kommunalen Aufgaben noch strebt sie an, Pflichtaufgaben aus dem Bereich der staatlichen Verantwortung zu übernehmen. „Vielmehr möchte die Bürgerstiftung ergänzend wirken und als Dach für modellhafte Initiativen und Projekte zukunftsfähige Strukturen schaffen und Innovationen initiieren“, umschreibt Vorstandsvorsitzende Doris Elfert die Intentionen der Bürgerstiftung. Gefördert werden gemeinnützige und mildtätige Vorhaben in Weimar und dem Kreis Weimarer Land. Ferner entwickelt sie eigene Projekte, wie den Kinder- und Jugendfonds, den Fonds für Kinder mit Lernhandicaps, ehrenamtliche Seniorenbegleitung „Weimars Gute Nachbarn“ und die Ehrenamtsagentur. Letztere ist jüngst für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert worden.

2.6 Die soziale Idee zum Mitmachen: „WechselWeise – Nachbarn helfen Nachbarn“

Das Projekt „WechselWeise – Nachbarn helfen Nachbarn“ wurde vor einem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen. WechselWeise versteht sich als Anlaufpunkt und Koordinationsstelle zum einen für alle, die Unterstützung und Hilfe benötigen und zum anderen für diejenigen, die ihren Nachbarn mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. Ziele des Projekts sind u.a.: Die Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen, der Aufbau eines Netzwerks für soziale Dienstleistungen und die Förderung des Gemeinwesens. Darüber hinaus wirkt WechselWeise der sozialen Vereinsamung und Isolation von älteren Menschen, Alleinlebenden und Alleinerziehenden, behinderten Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund entgegen.
Mit dem Projekt werden zunächst die Bewohnerinnen und Bewohner aus Berlin-Hellersdorf sowie dem angrenzenden Siedlungsgebiet Kaulsdorf/Mahlsdorf angesprochen.

Projekt-Leporello

3. Hinweise und Materialien

3.1 ZiviZ-Survey 2012 schließt Datenlücke

Mit dem Projekt „Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZiviZ) möchten die Bertelsmann Stiftung, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Fritz Thyssen Stiftung gemeinsam die Datenlage zur organisierten Zivilgesellschaft verbessern.
Die statistische Erfassung der organisierten Zivilgesellschaft in Deutschland soll sichtbar machen, in welchem Umfang, in welchen Bereichen, mit welchen Beiträgen und auf Grundlage welcher Handlungsbedingungen zivilgesellschaftliche Organisationen unsere gesellschaftliche Lebenswirklichkeit mitgestalten. Erste Ergebnisse werden in der Broschüre „ZiviZ-Survey 2012“ vorgestellt.

3.2 Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros: „Engagement braucht Infrastruktur!“

Die „BaS impulse (Ausgabe 02 / 2013) widmen sich einem „Dauerbrenner“ in der Arbeit der Seniorenbüros. Anstatt nachhaltige Rahmenbedingungen für die aktive Partizipation und die gesellschaftliche Mitwirkung zu fördern, wird das bürgerschaftliche Engagement der Älteren allzu häufig als bloße „Indienstnahme“ verkannt. Um hier einen Bewusstseinswandel anzustoßen, beschäftigt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS) – in dem Beitrag „Engagement braucht Infrastruktur“ – unter anderem mit folgenden Fragen: Warum sind Seniorenbüros und andere Einrichtungen als lokale Anlauf- und Vernetzungspunkte so wichtig für das bürgerschaftliche Engagement und wie können diese Einrichtungen verlässlich finanziert werden?

Zudem sei an dieser Stelle auf den Beitrag „Infrastruktur- und Beratungseinrichtungen im Feld des bürgerschaftlichen Engagements: Freiwilligenagenturen/ -zentren, Seniorenbüros, Selbsthilfekontaktstellen“ von Tobias Kemnitzer, Gabriella Hinn, Wolfgang Thiel und Rudolf Devic verwiesen. Er ist im Magazin „engagement-macht-stark!“ (Ausgabe 1 / 2013, Seite 36-42) des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement veröffentlicht.

3.3 Fachgespräch „Aktivierung ehrenamtlicher Ressourcen unter Migranten/Spätaussiedlern“

Am 27. September 2013 findet in den Räumen des Stadtteilzentrums Kiez-Treff West in Berlin von 10 bis 12 Uhr ein Fachgespräch zum Thema: „Aktivierung ehrenamtlicher Ressourcen unter Migranten/Spätaussiedlern“ in Kooperation mit Vision e.V. statt.

Hrsg.: Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
V.i.S.d.P.: PD Dr. Ansgar Klein
Infoletter-Redaktion: Dr. Henning Fülle, Dieter Rehwinkel
Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
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