Zugehörigkeit zu erleben ist ein echtes Privileg. Nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, dieses Gefühl zu erfahren. Menschen mit Behinderungen erleben häufiger Einsamkeit. Grund sind oft alltägliche Hürden und Vorurteile.
Menschen mit Behinderungen wie ich stoßen oft an Barrieren. Ein einziger kaputter Fahrstuhl kann schon bedeuten, dass wir Freund*innen nicht treffen können. Einmal habe ich mich mit Menschen getroffen, die sich wie ich für Inklusion einsetzen wollten. Bei den Kennenlern-Spielen konnten nur Menschen mitmachen, die sehen können. Ich gehöre nicht dazu. Da fühlte ich mich einsam und ausgegrenzt.
Oft sind es aber auch tief verankerte Unsicherheiten, die zwischen Menschen mit und ohne Behinderung stehen und den Kontakt erschweren. Manche Menschen haben zum Beispiel Angst, dass sie etwas Falsches sagen könnten. Oder sie fragen sich, ob sie eine Person mit geistiger Behinderung überhaupt ansprechen dürfen. Dabei lernt doch eigentlich jedes Kind, wie wir auf fremde Menschen zugehen sollten: Grüßen. Höflich ansprechen. Namen nennen. Fragen stellen, zuhören, aussprechen lassen, Interesse zeigen. Sehr viel mehr braucht es eigentlich gar nicht – egal ob eine Person eine Behinderung hat oder nicht.
Auch Vorurteile können ausgrenzen
Gerade im Engagement denken manche auch, dass Menschen mit Behinderung immer Hilfe brauchen. Dass man sich um sie kümmern muss oder sie nichts leisten können. Ich finde es sehr schade, dass es diese Vorurteile gibt. Denn das bedeutet, dass diese Menschen denken: „Ich bin anders als diese Person mit Behinderung. Diese Person braucht eine besondere Behandlung und Hilfe, die ich neben meinem Engagement nicht leisten will.“
Diese Gedanken trennen Menschen. Dabei sind wir ja alle gleich viel wert. Niemand kann alles und so manch ein Mensch ohne Behinderung braucht auch oft Hilfe, zum Beispiel beim Organisieren, beim Orientieren oder bei handwerklicher Arbeit.
Durch Engagement aus der Einsamkeit
Durch mein Engagement für Inklusion fühle ich mich trotzdem weniger einsam. Denn ich habe auch Menschen gefunden, die wirklich inklusiv denken und handeln. Wenn ich diese Leute treffe, fühle ich mich verbunden. Denn ähnliche Ziele, Werte und Themen verbinden Menschen.
Wichtig ist auch, dass wir mehr auf das schauen, was wir können. Es gibt Menschen, die zeichnen, programmieren, pflanzen können. Es gibt welche, die sehr lange laufen, Verantwortung tragen oder die Übersicht behalten können. All diese Fähigkeiten und Talente können wichtig für ehrenamtliches Engagement sein. Auf dieses Können und Wissen sollten wir schauen. Und ich fände es schade, wenn unsere Vorurteile gegenüber Behinderung, Geschlecht oder Alter uns dabei im Wege stehen
Barrieren abbauen und mehr zusammenfinden
Engagement kann Menschen zusammenbringen und ein Weg aus der Einsamkeit sein. Aber das funktioniert nur, wenn wir Ängste, Barrieren und Vorurteile abbauen. Wenn wir uns für Inklusion einsetzen, dann kämpfen wir nicht nur für Teilhabe. Wir stellen uns auch gegen die Ursachen der Einsamkeit: gegen Ausgrenzung und gegen Ungleichbehandlung.
Gleichzeitig machen wir uns stark für etwas Grundlegendes: Wir erkennen an, dass jeder Mensch unterschiedlich und gleich viel wert ist. Und, dass jeder Mensch Talente, Wissen und Können hat.
Politik der Gemeinsamkeit
Wir brauchen eine Politik der Gemeinsamkeit, der Gemeinschaft, der Toleranz, der Zugehörigkeit und Teilhabe. Lasst uns mehr miteinander sprechen, auch diskutieren aber mit Respekt und Achtung. Lasst uns die Menschenrechte nicht in Frage stellen, die uns allen das Recht garantieren, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Lasst uns Barrieren niederreißen und besser zueinander finden. Lasst uns respektvoll, höflich und freundlich zueinander sein. Das kommt uns allen zugute.
Möchtest auch Du dich gegen Einsamkeit und für Inklusion engagieren? Dann schreibe mir gerne eine Nachricht – ich freue mich über den Austausch!
Philipp Hill, Inklusionsberater und Sprecher der AG Inklusion und Intersektionalität im BBE









