Freilichtbühnen sind in Deutschland weit mehr als saisonale Kulturangebote. Sie sind Ausdruck eines gemeinschaftlich getragenen Hobbys, das von einer außergewöhnlich hohen Zahl engagierter Ehrenamtlicher lebt. Jahr für Jahr entstehen zwischen Mai und September Theaterproduktionen unter freiem Himmel, deren Grundlage nicht professionelle Strukturen, sondern freiwilliger Einsatz, Teamarbeit und langfristige Bindung an den jeweiligen Verein sind.

Organisiert sind diese Bühnen im Verband Deutscher Freilichtbühnen e. V., der zurzeit 89 Amateurfreilichtbühnen in sieben Bundesländern vertritt. Die Zuschauerkapazitäten variieren je nach Bühne zwischen 150 und 3.600 Plätzen. Insgesamt erreichen die Freilichtbühnen jährlich rund eine Million Theaterinteressierte und leisten damit einen relevanten Beitrag zur kulturellen Grundversorgung überwiegend im ländlichen Raum. Hinter diesen Zahlen steht jedoch vor allem eines: eine große Gemeinschaft von Menschen, die ihr Hobby mit erheblichem zeitlichem Einsatz betreiben.

Theater als gemeinsames Hobby über das ganze Jahr

Die überwiegende Mehrheit der Mitwirkenden engagiert sich ehrenamtlich. Für viele ist das Theater nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern ein ganzjähriges Gemeinschaftsprojekt. Bereits im Spätherbst des Vorjahres beginnen die ersten Proben für die kommende Sommersaison. Parallel arbeiten weitere Teams an Kostümen, Bühnenbild, Requisiten sowie an Licht- und Tontechnik. Diese Arbeiten erfolgen häufig in den Abendstunden und an Wochenenden - getragen von Menschen, die neben Beruf, Ausbildung oder Studium Zeit investieren.

Ein Großteil der Leistungen bleibt für das Publikum unsichtbar. Kostüme für teilweise bis zu 100 Darstellende werden entworfen und angefertigt, Bühnenbilder geplant und vorproduziert, Requisiten beschafft oder eigens hergestellt. Ab dem späten Winter verlagert sich die Arbeit zunehmend auf die Freilichtbühnen selbst, wo Proben und technische Abläufe zusammengeführt werden.

Viele Rollen – ein gemeinsames Ziel

Auch während der Aufführungszeit zeigt sich die Breite des Engagements. Neben den Darstellenden sind zahlreiche weitere Ehrenamtliche beteiligt: Parkplatzeinweisende, Kassenpersonal, Bewirtungsteams, Technik, Maske und Soufflage. Jede Funktion ist Teil eines arbeitsteiligen Systems, das nur durch Verlässlichkeit und Zusammenarbeit funktioniert. Für viele Beteiligte liegt gerade hierin der besondere Reiz des Hobbys - gemeinsam ein komplexes Projekt erfolgreich umzusetzen.

Engagement jenseits der Bühne

Das Ehrenamt beschränkt sich nicht auf den Spielbetrieb. Vorstandsmitglieder übernehmen organisatorische und rechtliche Verantwortung und sehen sich zunehmend mit wachsenden Anforderungen aus Politik und Verwaltung konfrontiert. Weitere Ehrenamtliche kümmern sich ganzjährig um Öffentlichkeitsarbeit und Marketing oder engagieren sich in der Nachwuchsarbeit. Teenie- und Jugendgruppen spielen dabei eine zentrale Rolle, um junge Menschen frühzeitig an das gemeinsame Hobby Theater heranzuführen.

Zur fachlichen Weiterentwicklung werden regelmäßig Fortbildungen angeboten. Der Verband unterstützt dies unter anderem über das Bildungswerk für Theater und Kultur Hamm sowie durch Schulungsformate im Rahmen von Verbandsveranstaltungen. Jährlich nehmen rund 1.100 Jugendliche an speziellen Angeboten teil, ergänzt durch etwa 400 Erwachsene bei Tagungen und Arbeitstreffen.

Ehrenamt mit messbarer Bedeutung

Insgesamt summiert sich das Engagement der Ehrenamtlichen auf mehr als 4,6 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr. Der geschätzte wirtschaftliche Gegenwert liegt bei rund 64 Millionen Euro. Vor allem aber entsteht durch diese Arbeit ein starkes soziales Gefüge: Freilichtbühnen verbinden Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe durch ein gemeinsames Hobby - und machen Theater zu einem kollektiven Erlebnis, lange bevor sich der Vorhang hebt.

 

 

Text:

Magnus Ronge, Präsidiumsmitglied