Ein kleines Dorf in der Prignitz wird jedes Jahr zur großen Bühne. In Klein Leppin gestalten Dorfbewohner*innen und Profis gemeinsam eine Oper – mit großer Leidenschaft und viel Kreativität. „Dorf macht Oper“ ist mehr als Kultur: Es ist gelebte Gemeinschaft.
Alles begann mit einer verrückten Idee.
Vor mehr als zwanzig Jahren, an einem Gartentisch, stellte jemand in Klein Leppin die Frage: Warum nicht eine Oper inszenieren? Erst machten nur ein paar Leute mit. Dann kam ein Chor, kamen weitere Musiker*innen und Sänger*innen dazu. Sie bauten eine Bühne, improvisierten, planten, probierten aus. Und dann war es so weit: Die erste Aufführung. Jeder Stuhl im kleinen Saal war besetzt. Die Zuschauer*innen waren begeistert. Und die Mitwirkenden spürten: Hier passiert etwas Besonderes!
Heute ist „Dorf macht Oper“ eine feste Tradition. Jedes Jahr gibt es eine neue Inszenierung – mit Kindern, Jugendlichen, Studierenden, Rentner*innen, Nachbar*innen und professionellen Künstler*innen. Jedes Jahr nähen die Dorfbewohner*innen neue Kostüme und bauen Bühnenbilder. Musiker*innen überlegen sich, wie sie mit Instrumenten wie Klavier, Geige oder Cembalo die Oper begleiten können. Der Klein Leppiner Opernchor probt monatelang. Ehrenamtliche und professionelle Darsteller*innen üben Tanz, Gesang und Schauspiel.
So entsteht eine besondere Gemeinschaft
Bei „Dorf macht Oper“ helfen viele Menschen aus Klein Leppin mit, aber viele kommen auch aus den Dörfern der Region. Manche backen Kuchen, andere malen, wieder andere bauen, singen oder schauspielern. Bei dem Projekt begegnen sich Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Der Bauer singt mit der Lehrerin, der Teenager mit der Rentnerin. Alle kommen zusammen, lernen sich kennen – nicht nur durch die gemeinsame Arbeit, sondern auch durch das gemeinsame Ziel.
„Eine Oper in der Natur – wer hat so etwas?“, sagt Jule, eine der vielen ehrenamtlich Engagierten. „Ich kann es kaum erwarten, dass der Winter vorbei ist, damit wir uns endlich wieder treffen.“ Jedes Jahr passiert etwas Anderes, neue Stücke werden ausgesucht, Themen diskutiert. Die Dorfbewohner*innen entdecken klassische Musik und die Geschichte des Werks. Sie reden über Natur, Kunst oder Wissenschaft. Denn mal geht es um Wölfe, mal um Glück, Seefahrt oder Erfindungen. Und nach der Aufführung sitzen alle gemeinsam am Lagerfeuer und freuen sich, was sie gemeinsam geschafft haben.
Viele der Zuschauer*innen waren noch nie in der klassischen Oper. Zu den Aufführungen im Dorf kommen sie aber seit vielen Jahren. Einige, vor allem ältere Menschen, können auch gar nicht mehr so weit laufen oder fahren. Sie freuen sich über das Opernhaus im ehemaligen Schweinestall.
Hochkultur für alle
„Es kommen Menschen zu uns, die noch nie gesungen haben und keine Noten lesen können“ sagt Jana Schegel, Vorstandsmitglied des Vereins FestLand e. V. „Und dann singen und proben sie mit uns, werden jedes Jahr besser, genießen die Zeit in der Gemeinschaft und machen mit uns Hochkultur.“
„Dorf macht Oper“ ist längst mehr als nur ein Kulturprojekt. Es ist ein Zeichen. Ein Beweis, dass Hochkultur nicht nur in großen Städten existiert. Dass Kunst Menschen verbindet. Und dass ein ehemaliger Schweinestall der perfekte Ort für große Träume sein kann.
2025 führen die Klein Leppiner*innen Rusalka von Antonín Dvořák auf.
Jana Schegel
Vorsitzende FestLand e. V.









