PROJEKT DER WOCHE
Careleaver
Werden Jugendliche volljährig, die in Pflegefamilien oder Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen groß geworden sind, stehen sie oft völlig alleine da. Der Staat ist meist nicht mehr zuständig. Careleaver e. V. bietet diesen jungen Menschen Hilfe und Unterstützung.
Eine starke Gemeinschaft für Careleaver
Rund 200.000 Kinder und Jugendliche wachsen nicht bei ihren leiblichen Eltern auf. Sie leben in Pflegefamilien oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Junge Menschen, die dieses Hilfe-System wieder verlassen, werden heute „Careleaver“ genannt. Das Wort „Care-Leaver“ kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Fürsorge-Verlasser“. Die jungen Menschen verlassen das Fürsorge-System des Staates oft schon mit 18 Jahren.
Careleaver sind dann oft völlig allein. Sie müssen viel früher für sich Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen. Wenn sie eine Wohnung suchen, können sie keine Eltern-Bürgschaft vorlegen. Und sie haben keinen Ort, wo sie notfalls unterkommen können, wenn es mit dem Studium oder der Ausbildung nicht klappt.
Einsatz für bessere Rechte von Careleavern
Seit über zehn Jahren setzt sich der Careleaver e. V. für die Rechte und Interessen von Careleavern ein. Entstanden aus einem Forschungsprojekt der Universität Hildesheim, ist der Verein heute eine lebendige Community mit Mitgliedern aus ganz Deutschland.
„Mit dem Careleaver e. V. zeigen wir, dass auch wir zur Gesellschaft dazu gehören. Dass unsere Meinung wichtig ist“, sagt der Vereinsvorsitzende Karn Born. „Und wir setzen uns für Verbesserungen in der Jugendhilfe ein.“ Ein großer Erfolg war zum Beispiel die Abschaffung der sogenannten Kostenheranziehung: Bis 2021 mussten junge Erwachsene einen Teil ihres Einkommens an das Jugendamt abgeben, wenn sie in einer Pflegefamilie oder in Einrichtungen lebten. Heute können sie ihren Lohn behalten und etwas für ihre Zukunft sparen. „Dafür haben wir uns jahrelang eingesetzt“, so Karn Born.
Das nächste Ziel ist ein eigener Rechtsstatus: Aktuell müssen Careleaver für viele Anträge Unterlagen ihrer Eltern vorlegen, zum Beispiel beim BAföG-Antrag. Für viele ist das fast unmöglich. Denn oft haben sie keinen Kontakt zu ihren Eltern oder das Verhältnis ist sehr belastet. Der Verein möchte erreichen, dass Careleaver diese Unterlagen der Eltern nicht mehr einreichen müssen, wenn sie den Status als Careleaver haben.
Ersatzfamilie für Careleaver
„Unser Verein ist auch ein soziales Netzwerk und Anlaufstelle für Careleaver in Notlagen“, sagt Jette Klar, Beisitzende im Vorstand. „Zu uns kommen Careleaver, die vor wichtigen Entscheidungen mit jemandem reden wollen, die Fragen haben oder Hilfe brauchen. Wir springen dann ein, weil ihre Familien das nicht können.“
Careleaver e. V. bietet bundesweite Netzwerktreffen oder Workshops. „So fühlen sich Careleaver nicht mehr allein“, sagt Jette Klar. „Sie haben mit uns eine Community, Menschen, die zuhören, die die Probleme kennen und mitfühlen können.“ Der Verein hat auch einen Notfallfonds für akute Krisen. Careleaver können über den Fonds vorübergehend Geld bekommen, damit sie schneller aus der Notsituation kommen.
Über die Website, einen Online-Newsletter und verschiedene Chatgruppen können sich Careleaver aus ganz Deutschland treffen und miteinander reden. „Wir wollen unsere bundesweite Community weiter stärken und ausbauen“, so Karn Born. „Und wir wollen dafür sorgen, dass die Probleme und Wünsche von Careleavern besser gehört werden.“
Engagement macht stark, weil ...
wir gemeinsam Großes bewirken können.









