PROJEKT DER WOCHE

Stiftung Bildung - youstartN Projekte der Woche 2026

Wie schön wäre es, wenn mehr Menschen Gebärdensprache könnten, dachten sich Schüler*innen in Lebach im Saarland. Statt nur darüber nachzudenken, gründeten sie eine Schüler*innenfirma. Ihre Kerzen mit Fingeralphabet-Zeichnungen sind ein großer Erfolg.

Sham, Sofia und Max sprechen Gebärden- und Lautsprache. Auch in der Schule lernen sie beide Sprachen. In einem Projekt in ihrer Schule, einer Förderschule für Hören und Kommunikation kam die Frage auf: Wie können wir für mehr Miteinander sorgen? Wie können gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen besser miteinander kommunizieren? „Einige der Schüler*innen haben zum Beispiel großen Respekt davor, mit dem Bus des öffentlichen Nahverkehrs zu fahren“, sagt Georgia Legner, Lehrerin von Sham, Sofia und Max an der Ruth-Schaumann-Schule. „Sie machen sich Sorgen, dass sie auf Fragen nicht reagieren können. Oder bei Missverständnissen Erklärungen nicht verstehen, weil Menschen selten über Gebärdensprache kommunizieren können.“ Also überlegten sie, wie die Kommunikation besser werden könnte. „Ein leichter Einstieg ist das Gebärden-Fingeralphabet“, sagt Georgia Legner. „Wer die Buchstaben kennt und versteht, kann zumindest buchstabierte Wörter verstehen.“
Doch wie lassen sich Menschen motivieren, das Fingeralphabet zu lernen? „Wir haben gedacht, dass ein Alltagsgegenstand interessant sein könnte“, sagt Georgia Legner. „So kam die Idee, Kerzen mit Wörtern zu verzieren, die auch im Fingeralphabet zu sehen sind.“ Seitdem kaufen Sham, Sofia, Max und das Projektteam alte Gläser auf. Sie machen die Gläser sauber, schmelzen Wachs, gestalten Schrift und Zeichnungen des Fingeralphabetes. „Ich mache die Schrift und die Fingeralphabet-Zeichnungen auf dem Tablet“, sagt Sham. „Auf die Kerzen kommen Wörter wie ´Happy´ oder ´Love´“. Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Silvester passen die Schüler*innen die Aufdrucke an.

Gute Idee und starke Förderung
Am Anfang haben die Schüler*innen alles mit der Hand gemacht und auf dem Weihnachtsmarkt der Schule verkauft. Mit dem verdienten Geld haben sie neues Material gekauft. Bis sie auf die Förderung der Stiftung Bildung aufmerksam wurden und sich bewarben. Das Förderprojekt „youstartN“ der Stiftung Bildung unterstützt Schüler*innen und Azubis dabei, eigene Gründungsideen als auch bereits bestehende Schüler*innenfirmen umzusetzen. Ausgewählte Ideen werden mit Geld zwischen 500 und 1.000 Euro gefördert. Bedingung ist, dass die Idee einen Beitrag zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen leisten. 
Das gewonnene Fördergeld investierten die Schüler*innen sofort in neue Ausrüstung, wie zum Beispiel in einen großen Wachs-Schmelzer. „Trotzdem brauchen wir für jede Kerze etwa zwei bis drei Stunden, bis sie fertig ist“, sagt Georgia Legner. 
Der Erfolg motiviert die Schüler*innen
Die Nachfrage wird immer größer. „Die Kund*innen sind neugierig“, sagt Sofia. „Sie wollen wissen, wie man die Buchstaben des Fingeralphabetes richtig zeigt.“ Auch Max freut sich über das Interesse. „Es ist sehr schön, dass sich die Menschen für unsere Sprache interessieren“, sagt der Schüler. „So haben wir ein gutes Gefühl und wissen: es lohnt sich, was wir machen.“ Der Erfolg motiviert die Schüler*innen, neue Ideen zu entwickeln. Mittlerweile gibt es auch Mäppchen und Schlüsselanhänger mit Worten in Schrift-Sprache und Fingeralphabet. Bedruckte Trinkflaschen und Socken sollen folgen.

Die Schüler*innen verkaufen ihre Produkte auf Weihnachts- und Kunsthandwerksmärkten sowie Festen. Dort kommen sie mit Kund*innen in Kontakt. „Es ist schön, wenn die Menschen sensibler werden und verstehen, wie unser Alltag ist,“ sagt Sofia. „Aufzüge können zum Beispiel zum Problem werden. Was machen gehörlose Menschen, wenn sie stecken bleiben und keine Lautsprache können?“ Sie freut sich über jeden Menschen, der mehr über Gebärdensprache lernen will. „Manche fragen, wo es Kurse für Gebärdensprache gibt, wenn sie eine Kerze kaufen“, sagt die Schülerin. „Vor allem Kinder und Jugendliche sind sehr interessiert an Gebärdensprache“, sagt Max. „Sie sehen sie als eine Art Geheimsprache und wollen sofort mehr Gebärden lernen.“

Die Schüler*innenfirma ist immer auf der Suche nach neuen Vertriebspartner*innen. Bisher werden die Fingeralphabet-Produkte in Apotheken, Tee-, Lebensmittel- und Buchläden, Physiotherapie-Praxen und einem fairKaufhaus in Bayern verkauft. So erreichen sie immer mehr Menschen. Denn das ist das Ziel der Schüler*innen: „Es wäre doch viel schöner, wenn mehr Menschen einige Gebärden könnten“, sagt Sofia.
 
 

Engagement macht stark, weil …

weil es gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen zusammenbringt und Barrieren abbaut.

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