Unter dem Motto „Miteinander Zukunft gestalten“ hatte die Thüringer Ehrenamtsstiftung gemeinsam mit der Kampagne „Engagement macht stark!“ des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement (BBE) eingeladen. David Möller, Staatssekretär für Sport und Ehrenamt des Freistaates Thüringen, unterstrich zur Eröffnung, dass Ehrenamt kein „Beiwerk“, sondern ein Fundament der Gesellschaft sei. Zugleich brauche Engagement mehr als guten Willen: Wissen, verlässliche Strukturen, Kontakte und die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Kommunen, Politik und Wirtschaft. Schon zum Auftakt wurde sichtbar, wie vielfältig dieses Engagement ist: Engagierte berichteten von Trauerbegleitung, gelebter Traditionspflege und Tierrettung – und davon, wie aus persönlicher Initiative Verantwortung für andere und für das Gemeinwesen entsteht.
Engagement stärkt Demokratie
In seiner Keynote weitete Günter Burkhardt vom Sprecher*innenrat des BBE den Blick auf die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Engagement heute stattfindet. Gerade in einer Zeit, in der der Ruf nach einfachen Antworten lauter werde, brauche es Menschen, die Verantwortung übernehmen, zuhören und zeigen, dass gesellschaftliche Veränderungen möglich sind.
Dabei warnte Burkhardt davor, die aktuellen Herausforderungen allein als ostdeutsches Problem zu betrachten. Erfahrungen von politischer Entfremdung und der Wunsch nach einfachen Lösungen seien auch in westdeutschen Städten und Regionen zu beobachten. Umso wichtiger sei eine Zivilgesellschaft, die positive Zukunftsbilder entwickelt und sichtbar macht, was vor Ort bereits gelingt.
Für Burkhardt gehört dazu auch ein neues Verhältnis zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Zivilgesellschaft sei nicht nur Bittstellerin gegenüber staatlichen Institutionen, sondern eine starke gesellschaftliche Kraft. Dafür brauche sie jedoch verlässliche Strukturen und eine langfristige Förderung. Sein Appell: wieder stärker zuhören, miteinander ins Gespräch kommen und über die Grenzen der eigenen Organisation und des eigenen Umfelds hinausdenken.
Wissen teilen, Neues ausprobieren
Wie konkret und praxisnah das aussehen kann, zeigte sich anschließend in neun Workshops. Die Themen reichten von Fundraising, Förderanträgen und Gemeinnützigkeitsrecht über Organisationsentwicklung und die Gewinnung junger Engagierter bis zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Social Media und Öffentlichkeitsarbeit. Neben neuem Wissen boten die beiden Workshoprunden vor allem viel Raum für Erfahrungsaustausch und Vernetzung.
Zukunft entsteht nicht von allein
Zum Abschluss führte die Podiumsdiskussion unter dem Kampagnenmotto „Miteinander Zukunft gestalten“ die unterschiedlichen Perspektiven des Tages zusammen. Vanessa Bayer, Engagement-Botschafterin 2026, Robin Kallenbach von der Zukunftswerkstatt Schwarzatal, Nicole Päsler von der Stadt Eisenach, Unternehmer Jörg Flügge und Günter Burkhardt diskutierten darüber, wie Engagement Menschen und Regionen stärken kann – und welche Voraussetzungen es dafür braucht.
Besonders deutlich wurde: Wer junge Menschen für Engagement gewinnen will, muss ihnen nicht nur Angebote machen, sondern ihnen zuhören und sie ernst nehmen. Vanessa Bayer plädierte dafür, zunächst zu verstehen, was junge Menschen vor Ort beschäftigt, und ihnen Räume zu geben, in denen sie eigene Ideen entwickeln und die Erfahrung machen können, tatsächlich etwas zu bewirken. Zugleich warb sie dafür, stärker aufeinander zu achten: Engagement brauche auch Rückhalt, Schutzräume und ein Bewusstsein dafür, dass gerade junge Menschen unter vielfältigen Belastungen stehen.
Günter Burkhardt knüpfte daran mit dem Gedanken der Selbstwirksamkeit an. Die Geschichten hinter Vereinen und Initiativen zeigten immer wieder, dass Menschen aus einer Idee heraus etwas aufgebaut und damit Veränderungen angestoßen hätten. Diese Erfahrungen gelte es stärker zu erzählen: Sie zeigen, dass gesellschaftliches Handeln Wirkung entfalten kann. Gleichzeitig dürfe Engagement nicht auffangen müssen, was an verlässlichen gesellschaftlichen Strukturen fehle.
Dr. Niels Lange, Geschäftsführer der Thüringer Ehrenamtsstiftung, griff zum Abschluss noch einmal die Frage auf, wie Engagement auch künftig Menschen zum Mitmachen bewegen kann. Es brauche junge Menschen mit ihren eigenen Perspektiven und Zugängen ebenso wie die Erfahrung älterer Generationen. Engagement lebe davon, dass Menschen den Anfang machten, Verantwortung übernähmen und andere für ihre Ideen begeisterten. Die große Resonanz auf den Engagement-Tag und die Vielfalt der Workshops zeigten zugleich, wie groß das Interesse an Austausch, Qualifizierung und Vernetzung sei.
Am Ende eines intensiven Tages blieb damit eine ebenso einfache wie anspruchsvolle Botschaft: Zukunft entsteht dort, wo Menschen anfangen, Verantwortung übernehmen, einander zuhören und andere zum Mitmachen einladen. Der Thüringer Engagement-Tag zeigte mit seiner Mischung aus Praxis, Austausch und Diskussion, wie viel Wissen, Erfahrung und Gestaltungswillen dafür bereits vorhanden sind.














