
Engagement-Botschafterin „Miteinander Zukunft gestalten”
„Gesellschaftlicher Wandel beginnt häufig im Kleinen – Gespräche können der Ausgangspunkt für größere Veränderungen sein“
Vanessa Beyer, k_einheit

„Gesellschaftlicher Wandel beginnt häufig im Kleinen – Gespräche können der Ausgangspunkt für größere Veränderungen sein“
Vanessa Beyer, k_einheit
Vanessa Beyer engagiert sich dafür, dass junge ostdeutsche Perspektiven im politischen Diskurs stärker sichtbar werden und Gehör finden. Ihr liegt besonders am Austausch über Generationen und Regionen hinweg sowie an einer offenen, solidarischen Gesellschaft.
Zu ihrem Engagement kam sie nicht durch einen einzelnen Schlüsselmoment, sondern durch einen Prozess. Lange hatte sie das Gefühl, dass Politik und demokratische Teilhabe wenig mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Erst im Studium und durch den Austausch mit anderen engagierten jungen Menschen wurde für sie greifbar, dass Demokratie im Alltag beginnt und man sich auch im Kleinen einbringen kann.
Heute ist ihr besonders wichtig, Räume für Gespräche zu schaffen, in denen junge Menschen ihre Perspektiven teilen und ernst genommen werden – sei es im direkten Austausch oder in kleineren Begegnungen. Engagement bedeutet für sie vor allem, ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und gemeinsam neue Sichtweisen zu entwickeln.
Bitte stell dich kurz vor. Wer bist du und wofür engagierst du dich?
Ich bin Vanessa und ich engagiere mich dafür, dass junge ostdeutsche Stimmen stärker im politischen Diskurs gehört werden und sichtbarer werden. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam an einer offenen und solidarischen Zukunft arbeiten – über vermeintliche Grenzen hinweg und auch über Generationen hinweg.
Wie bist du zu deinem Engagement im Bereich Demokratie gekommen? Gab es einen Schlüsselmoment?
Einen einzelnen Schlüsselmoment gab es bei mir eigentlich nicht. Es war eher ein Prozess. Als Jugendliche und junge Erwachsene hatte ich eher das Gefühl, dass sich Politik weder für mich interessiert noch ich mich wirklich für sie interessieren oder mich demokratisch einbringen kann. Demokratie und Engagement wirkten auf mich oft wie sehr große, abstrakte Begriffe, unter denen ich mir wenig Konkretes vorstellen konnte.
Erst in meinem Studium habe ich viele junge Menschen kennengelernt, die mich sehr inspiriert haben. Menschen, die sich engagieren, die Haltung zeigen und die sich für bestimmte Werte einsetzen. Das hat mich motiviert, mich selbst einzubringen.
Besonders prägend waren für mich Initiativen und Vereine, die sich damit beschäftigt haben, Politik greifbar zu machen – gerade auch die Europäische Union und ihre Auswirkungen auf den Alltag. Denn Politik passiert ja nicht irgendwo abstrakt, sondern ganz konkret im Alltag. Und genau das sichtbar zu machen, fand ich wichtig.
Durch viele Gespräche habe ich außerdem gemerkt, dass Demokratie gar kein so großer, abstrakter Begriff sein muss. Man kann ganz klein anfangen, indem man andere informiert, ins Gespräch geht oder zeigt, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, sich einzubringen.
So ist demokratisches Miteinander für mich immer greifbarer geworden, und ich bin eher Schritt für Schritt in dieses Engagement hineingewachsen.
Warum engagierst du dich, und wofür schlägt dein Herz dabei besonders?
Ich engagiere mich dafür, dass junge Menschen ihre Stimme nutzen können und ernst genommen werden. Das kann im ganz Kleinen anfangen, zum Beispiel, indem man sich in einer Diskussion meldet oder auch mal widerspricht. Es kann aber auch heißen, sich über Social Media zu äußern, eine Gegenrede zu machen oder eine Petition zu unterstützen.
Was mir besonders am Herzen liegt, sind die kleinen Begegnungen. Gespräche, die nicht auf großen Bühnen stattfinden, sondern im Alltag, oft im Vier-Augen-Gespräch. Denn genau diese Momente können etwas auslösen. Man merkt vielleicht im ersten Moment gar nicht, was daraus entsteht, aber manchmal ist es genau dieser kleine Funke, der etwas ins Rollen bringt.
Und wenn man dadurch auch nur eine Person erreicht oder inspiriert, dann kann daraus etwas Größeres entstehen. Das muss nicht heißen, einem Verein oder einer Partei beizutreten, sondern kann auch bedeuten, den ganz eigenen Weg zu gehen – und dabei zu entdecken, was Engagement für einen persönlich bedeutet.
Was bedeutet für dich „Miteinander Zukunft gestalten“ ganz konkret?
Für mich bedeutet das, dass wir gemeinsam darüber sprechen, wie wir eigentlich leben wollen. Ich wünsche mir, dass wir nicht nur darüber reden, was alles nicht funktioniert oder was wir nicht wollen, sondern dass wir anfangen, gemeinsam Visionen zu entwickeln.
Und zwar so, dass möglichst viele Menschen daran teilhaben können – auch diejenigen, die vielleicht nicht die gleichen Möglichkeiten haben, sich einzubringen. Am Ende geht es darum, Räume zu schaffen, in denen wir gemeinsam Zukunft denken und gestalten können.
Wie würdest du das Miteinander in Deutschland beschreiben? Und wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen?
Ich würde das Miteinander in Deutschland oft besser beschreiben, als wir es wahrnehmen. Gerade wenn man auf Social Media oder in die Nachrichten schaut, hat man schnell den Eindruck, dass alles sehr polarisiert ist. Aber im Alltag erlebe ich häufig etwas anderes: dass Gespräche möglich sind, dass man sich annähern kann und dass es gemeinsame Nenner gibt.
Ich treffe auch viele Menschen, gerade auch junge, die sich engagieren und etwas verändern wollen. Das kann im Kleinen passieren, zum Beispiel in der Nachbarschaft oder bei Aktionen wie einem Cleanup Day, aber auch in größeren Projekten.
Eine große Herausforderung sehe ich darin, dass wir gesellschaftliche Gruppen oft gegeneinander ausspielen, gerade auch Gruppen, die ohnehin weniger Gehör finden. Ich finde, wir sollten stärker darauf schauen, wie wir uns miteinander solidarisieren können und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Welche Rolle spielen dabei ostdeutsche Perspektiven und junge Stimmen?
Ich glaube, wir könnten viel stärker auf ostdeutsche Perspektiven schauen, und zwar nicht nur problemorientiert, sondern auch auf die positiven Entwicklungen. In Ostdeutschland gibt es viele Erfahrungen mit Transformation, Strukturwandel und gesellschaftlichen Veränderungen. Daraus sind auch viele Lösungen und Strategien entstanden, von denen man lernen kann.
Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass diese Perspektiven noch zu wenig gehört werden.Und gerade junge Stimmen sind wichtig, weil sie sich einbringen wollen, weil sie Dinge mitgestalten wollen und weil sie oft neue Blickwinkel mitbringen.
Wie ist das Projekt „k_einheit“ entstanden und was steckt dahinter?
Ich habe die Initiative gemeinsam mit meiner besten Freundin gegründet. Wir haben gemerkt, dass junge ostdeutsche Perspektiven im öffentlichen Diskurs oft kaum vorkommen. Gleichzeitig sind uns viele Klischees begegnet, mit denen wir uns überhaupt nicht identifizieren konnten. Wir haben uns dann gefragt: Geht es anderen auch so?Und daraus ist die Idee entstanden, genau diesen Perspektiven Raum zu geben. Wir haben angefangen, junge Menschen zu interviewen und ihre Sichtweisen sichtbar zu machen.
Der Name „k_einheit“ spielt bewusst mit einer Leerstelle. Viele lesen ihn zunächst falsch, und genau das ist gewollt. Der Unterstrich steht für das, was in der Debatte über die deutsche Einheit fehlt oder noch keinen Platz hat. Uns geht es nicht darum, eine einfache Antwort zu geben, also ob wir „eine Einheit“ oder „keine Einheit“ sind. Sondern darum, dass dazwischen ganz viel passiert. Dass Einheit ein Prozess ist, der immer wieder neu ausgehandelt wird.
Was macht ihr konkret im Projekt – und wen möchtet ihr erreichen?
Angefangen hat alles als Filmprojekt, bei dem wir jungen Menschen eine Stimme geben wollten. Daraus ist nach und nach eine Bewegung entstanden. Heute schaffen wir vor allem Räume für Austausch: durch Workshops, Veranstaltungen oder sogenannte Social Clubs, bei denen man sich informell begegnet.
Wir bringen junge Menschen auf Bühnen, organisieren Panels und machen auch Ausstellungen. Außerdem arbeiten wir zunehmend international, zum Beispiel mit Partner*innen in Polen und Tschechien. Ursprünglich haben wir uns vor allem an junge Menschen gerichtet. Inzwischen merken wir aber, dass auch andere Generationen Interesse haben, insbesondere Menschen, die selbst Erfahrungen mit der DDR gemacht haben.
Deshalb denken wir unsere Formate mittlerweile stärker generationenübergreifend und beziehen auch bewusst Menschen aus Westdeutschland mit ein.
Was möchtet ihr mit eurer Arbeit bewirken?
Wir möchten dazu beitragen, dass junge Menschen als Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealität wahrgenommen werden. Und wir wollen zeigen, dass Ostdeutschland ein vielfältiger Raum ist, mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und auch Widersprüchen. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es, Dialogräume zu schaffen, in denen genau das sichtbar wird und nebeneinanderstehen darf.
Gab es einen Moment, in dem du besonders gemerkt hast: Das wirkt wirklich?
Ein sehr prägender Moment war für mich die Vernissage unserer Ausstellung (zur Ausstellung insgesamt sind über die Laufzeit über 1000 Menschen gekommen) Deutlich mehr, als wir erwartet hatten. Und viele sind lange geblieben, haben sich intensiv mit den Inhalten auseinandergesetzt, mit den Collagen, mit den Audio-Stimmen. Das hat uns gezeigt, dass die Themen wirklich etwas auslösen und Menschen sich damit beschäftigen wollen. Grundsätzlich merke ich Wirkung aber vor allem in Gesprächen, wenn Menschen anfangen, sich zu öffnen, ihre Geschichten zu teilen und sich gesehen fühlen.
Was sind eure nächsten Ziele – und welchen Rat würdest du anderen mitgeben, die sich engagieren wollen?
Wir möchten das Projekt künftig stärker europäisch denken und den Austausch mit jungen Menschen aus anderen Ländern weiter ausbauen. Außerdem planen wir eine Zukunftsagenda, in der junge Menschen gemeinsam konkrete Visionen für die Zukunft entwickeln.
Und wenn ich anderen etwas mitgeben kann: Engagement wirkt oft sehr groß und vielleicht auch ein bisschen einschüchternd. Aber man darf Zweifel haben. Man darf auch Angst haben. Wichtig ist, es trotzdem zu machen. Sprecht mit anderen über das, was euch bewegt. Oft merkt man, dass man damit nicht allein ist – und daraus kann etwas Gemeinsames entstehen.
Und es muss nicht immer etwas Großes sein. Auch kleine Schritte sind wichtig.
Die Initiative „k_einheit“ setzt sich dafür ein, junge ostdeutsche Perspektiven sichtbarer zu machen und neue Räume für Austausch zu schaffen. Gegründet wurde das Projekt 2022 von Vanessa Beyer und Lisa Trebs. Ausgangspunkt war die Frage, wie junge Menschen aus Ostdeutschland ihre Lebensrealitäten, Zukunftsvorstellungen und Erfahrungen selbst erzählen.
Aus einem Filmprojekt entwickelte sich eine Initiative für politische Bildungs- und Dialogarbeit. Mit Workshops, Filmgesprächen, Panels und Ausstellungen bringt „k_einheit“ junge Stimmen in gesellschaftliche Debatten ein und fördert den Austausch zwischen Generationen sowie zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Mittelpunkt stehen demokratische Teilhabe, gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein differenzierter Blick auf ostdeutsche Identitäten.
Mehr über die Initiative unter k_einheit
Kontakt
Engagement-Botschafter Philipp Hill macht sich stark für eine inklusive und vielfältige Gesellschaft. Dabei ist es für ihn besonders wichtig, auf sichtbare und unsichtbare Barrieren aufmerksam zu machen.
Mit ihrem herausragenden Engagement im Projekt „Schule·Klima·Wandel” vom SV Bildungswerk gibt Annalena Stöger dem Themenschwerpunkt „Engagement und Klimaschutz” ein Gesicht.
Lena Wiewell macht sich stark für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Mit ihrem Verein „Tausche Bildung für Wohnen“ unterstützt sie Kinder aus strukturschwachen Stadtteilen wie Duisburg-Marxloh und Gelsenkirchen-Ückendorf in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung.
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